Beim Eintauchen könnte man auf eine Anmerkung stoßen, die Blumenberg gegen Ende des Buchs macht, wenn er den Physiker Werner Heisenberg erwähnt. Blumenberg zitiert aus dessen Buch „Physik und Philosophie“ die Bemerkung, die Sätze der modernen Physik seien „sehr viel ernster gemeint als die der griechischen Philosophen“. Verständlicherweise ärgert sich Blumenberg zunächst über diese Behauptung, nimmt sie aber dann ernst und stimmt ihr energisch zu. Blumenberg erkennt dank Heisenbergs Haltung die „Unverbindlichkeit der atomistischen Physik“ der alten Griechen, „die der Insistenz auf Verifikation entbehren konnten“ – weil es ihnen vermutlich egal war und sie nicht ernsthaft eine Beherrschung der Wirklichkeit (der Natur) ins Auge fassten.
Einen Gedanken ernst nehmen, das klingt so leicht – aber ist so schwer. Denn wer seine Vermutungen über die Natur ernst meint, muss sich überlegen, wie er sie prüfen und belegen kann. Und genau da, so will es scheinen, machen Philosophen nur ungern mit. Sie nehmen tatsächlich vielfach nicht ernst – nicht ernst genug –, was sie behaupten, und das sage ich hier laut und deutlich mit der Bitte, daran etwas zu ändern.
Ich habe noch eine zweite Bitte, und sie betrifft einen anderen Aspekt der Ernsthaftigkeit, den die moderne Physik für sich beansprucht. Er findet sich in einem Text von Heisenberg, in dem er über „Die Einheit der Natur bei Alexander von Humboldt und in der Gegenwart“ schreibt. Zum Ende des Beitrags kommt Heisenberg auf seine persönlichen Erfahrungen und großen Erfolge aus den 1920er-Jahren zu sprechen und weist auf das Folgende hin: „In dem Moment, in dem die Naturforscher beginnen, sich ernstlich mit der Physik der Atome zu befassen“ und versuchen, „die chemischen Erscheinungen aus den Naturgesetzen im atomaren Bereich zu deuten“, tritt „auch die Morphologie, die Lehre von den Gestalten, wieder in ihre Rechte“ ein. Heisenberg begründet mit dem daraus sich ergebenden historischen Erfolg der Physik, dass eine Kausalbeschreibung der Welt nicht gelingen kann und dass kreativer Spielraum für ernstlich schöpferische Menschen bleibt. „Je kleiner die Welt, desto größer der Mensch“, meint Blumenberg am Ende seines Buchs. Die großen Philosophen spielen in einer zu kleinen Welt.





