Die vielleicht frustrierendste Erkenntnis über Erkältungen ist diese: Nicht das Virus quält uns, sondern unser eigener Körper. Die Erreger befallen meist nur einen kleinen Teil der Schleimhäute und richten vergleichsweise wenig Schaden an. Dass die Nase rot und verstopft wird, ist eine Abwehrreaktion des Körpers – eine recht nutzlose noch dazu. „Das Virus wird er so nicht los, denn das sitzt ja in den Zellen”, sagt Jack Gwaltney von der Universität Virginia, ein weltweit anerkannter Erkältungsexperte.
Pflichtbewusstes Händewaschen, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung mindern das Ansteckungsrisiko. Auch Freundschaften helfen: In Studien zeigten sich Eigenbrötler 4,2-mal anfälliger für die Viren als sozial eingebundene Menschen. Stress erhöht das Risiko ebenfalls. Früher oder später aber erwischt es jeden. „Es gibt nur einen Weg, Erkältungen sicher zu vermeiden”, sagt Experte Ron Eccles, „Einsiedler zu werden.”
Wen die Erkältung im Griff hat, für den gibt es keine effektive Hilfe. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfiehlt Zurückhaltung bei allen so genannten Erkältungsmedikamenten, da keines von ihnen die Krankheit bekämpft, aber viele zweifelhafte Substanzmischungen enthalten und alle unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Die Kommission rät zu Ruhe, reichlich Trinken und zu alten Hausmitteln, die das Wohlbefinden stärken: zu Dampfbädern und warmen Wickeln.
Manche Ärzte vermuten, dass Vitamin C die Symptome mildere. Allerdings haben Studien gezeigt, dass es zur Vorbeugung nicht taugt und selbst Mega-Dosen von 1 bis 3 Gramm den Krankheitsverlauf kaum beeinflussen. Über Echinacea sind die Meinungen geteilt, ebenso über Zink. „Die Hälfte der Studien sagt, das wirke, die andere Hälfte, das wirke nicht”, sagt Forscher Bruce Barrett.
Oft beobachten Tester, dass ein Placebo Erkältungssymptome fast ebenso lindert wie der aktive Wirkstoff. Im Klartext: Vieles hilft, man muss nur daran glauben. Altüberlieferte Ratschläge allerdings sollten mit Vorsicht behandelt werden – so wie jener aus dem 19. Jahrhundert, der anregt: „Geh ins Bett, häng deinen Hut an den Pfosten und trink, bis du zwei Hüte siehst.” Und eine Medikamentengruppe schadet ganz sicher, ohne zu helfen: Antibiotika. Sie helfen nur gegen Bakterien – und die verursachen keine Erkältungen.
Ute Eberle





