Erst im März 2006 hat Tobias Tietze die Firma “Histohria” gegründet. Als Autor schrieb er die Texte zu der Erlebnistour durch Erfurt, die dann von Marcus Boshkow und Anne Schramm vorgelesen und aufgenommen wurden. Gut vertont kann die Audiotour mit MP3-Player, Discman oder Handy erlebt werden. Zwischen den einzelnen Beiträgen wird zwar immer eine Wegbeschreibung zu der nächsten Sehenswürdigkeit gegeben. Der Hörer kann sich aber auch selbst auf der beiliegende Stadtkarte einen Überblick über das kunsthistorische Erfurt verschaffen. Gerade in geschichtlicher Hinsicht hat die Stadt einiges zu bieten. Ihre erste urkundliche Erwähnung erfolgte 752 bei der Gründung des Bistums Erfurt, das drei Jahre später mit dem Mainzer Bischofssitz vereinigt wurde. Im Mittelalter wurde die Stadt, die den Mainzer Erzbischöfen unterstand, zu einer wichtigen Metropole des deutschen Reichs, die gerade für ihre Waidspeicher berühmt war. Waid war ein begehrter Blaufärbestoff.
In der Audiostadtführung werden die berühmtesten Bauten und Kirchen Erfurts vorgestellt, wie der St. Marien-Dom, die St. Severi-Kirche oder die Häuser am Fischmarkt. Auch die berühmten Persönlichkeiten, die in der Stadt gelebt haben, werden erwähnt. So zum Beispiel die Eltern von Johann Sebastian Bach oder Martin Luther, der an der Erfurter Universität studiert hat.
Kleine Anekdoten machen die Tour besonders unterhaltsam und reizvoll. So erfährt der Hörer beispielsweise, was die zwei runden Löcher bedeuten, die sich über den Eingängen einiger Häuser befinden. Die Besitzer dieser Häuser besaßen das Recht, Bier zu brauen, und damit die Bewohner Erfurts wußten, in welchem Haus zu dem gegenwärtigen Zeitpunkt Bier zu erhalten war, wurden die Löcher mit Strohbündel ausgestopft. Die “Biereigenhöfe” hatten jährlich ein “Braugeld” zu zahlen an die Stadtherren, die Mainzer Erzbischöfe. Dennoch war es ein ertragreiches Geschäft, da Bier zu den Grundlebensmitteln der damaligen Zeit gehörte – allerdings mit einem geringeren Alkoholgehalt wie heute.
Die Audiotour Tietzes stellt eine interessante und lehrreiche Abwechslung zu den üblichen Stadtführungen dar. Besonders da die Hörer das Tempo, die Pausen und die Reihenfolge individuell bestimmen können und somit sehr flexibel bleiben.
Rezension: Muth, Ilka





