Es war das schmähliche Ende einer glanzvollen Karriere, die freilich im Schatten zweier noch Größerer stand. Um 115 v. Chr. als jüngster Sohn des Konsulars Publius Licinius Crassus geboren, machte er im Kielwasser des erfolgreichen Feldherrn Sulla Karriere, des Diktators und selbsternannten Erneuerers der Republik. In der Schlacht am Collinischen Tor vor Rom errang er 82 v. Chr. einen entscheidenden Sieg gegen die Marianer, die Gegner Sullas, die im Verlauf des Bürgerkriegs seine Verwandten ermordet und das Vermögen der Familie konfisziert hatten. Als Sullas Rache nun die Marianer traf, hielt sich Crassus an deren Vermögen und Grundbesitz schadlos. Unsummen verdiente er im Sklavenhandel und mit seiner berüchtigten privaten Feuerwehr, die nur dann löschte, wenn der Hausbesitzer zuvor seine Immobilie Crassus überschrieben hatte.
Mit seinem gewaltigen Vermögen wurde Crassus zum Finanzier ungezählter politischer Karrieren, so auch von Caesars Aufstieg. „Crassus war aber großzügig gegenüber Fremden“, schreibt Plutarch, „denn sein Haus stand allen offen; und er pflegte seinen Freunden zinslos Kredit zu geben, aber er trieb das Geld unerbittlich ein, kaum war die Frist verstrichen. Und so war die Zinslosigkeit des Darlehens drückender als selbst ein hoher Zins.“ Großzügigkeit hatte ihren Preis, und Crassus vermehrte, im chaotischen Machtvakuum nach Sullas Abdankung (79 v. Chr.) und Tod (78 v. Chr.), im Austausch gegen das viele Geld, das er verlieh, stetig sein politisches Kapital. So erklomm er Stufe um Stufe der senatorischen Ämterlaufbahn, des cursus honorum, und bekleidete 72 v. Chr. die zweithöchste Beamtenstelle, die Prätur.
Seine Wahl zum Prätor war gerade rechtzeitig erfolgt, um ihn zum Gegenspieler des Mannes werden zu lassen, der mit seinem Heer aus entlaufenen Gladiatoren, flüchtigen Sklaven und verarmten Bauern im Jahr zuvor zwei römische Prätoren und im Frühjahr 72 v. Chr. die Konsuln Gnaeus Cornelius Lentulus Clodianus und Lucius Gellius Publicola sowie den Statthalter Gaius Cassius Longinus geschlagen hatte: Spartacus. Der Sklavenkrieg bot dem ehrgeizigen Crassus die Chance, zusätzlich zu seinen Millionen militärische Lorbeeren zu erwerben, die allein den Aufstieg in politische Spitzenämter – den Konsulat – garantieren konnten. Glauben wir Appian, so war Crassus der Einzige, der angesichts der Risiken den Mut aufbrachte, für die Prätur zu kandi‧dieren.
Crassus erhielt sechs Legionen und dazu die Reste des konsularischen Heeres von Lentulus und Gellius, alles in allem gut 40000 Mann. Der neue Oberkommandierende empfahl sich den Soldaten als strenger Zuchtmeister. Ein Heer, das eine Niederlage gegen Spartacus hatte einstecken müssen, ließ er dezimieren: Er ließ die Soldaten antreten und jeden zehnten niederstechen. Laut Plutarch waren nur 50 Legionäre einer Kohorte betroffen, die den Befehl missachtet hatte, jeden Feindkontakt zu vermeiden. Dass sich die Maßnahme gegen das gesamte Heer richtete und also bis zu 4 000 Römer das Leben kostete, bezweifelt auch Appian. Doch machte Crassus seinen Soldaten unmissverständlich klar, dass sie ihn mehr zu fürchten hatten als den Feind.




