Bei den meisten Krebsarten wird angenommen, dass sie vererbbar sind und darum in Familien gehäuft auftreten. Doch der Einfluss der Gene könnte geringer sein, als bislang vermutet. Denn bei Angehörigen von Krebs-Patienten werden möglicherweise nur deshalb mehr bösartige Tumore entdeckt, weil diese – aufgeschreckt durch den Schicksalsschlag in der eigenen Familie – eher zu einer Früherkennungsuntersuchung gehen. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) haben Hinweise auf diese Tendenz im schwedischen Familienkrebs-Register gefunden: Bei Töchtern, deren Mütter an Brustkrebs erkrankt waren, wurde im ersten Jahr nach der mütterlichen Diagnose 4,78-mal häufiger Brustkrebs diagnostiziert als in der Allgemeinbevölkerung. Beim schwarzen Hautkrebs (Melanom) lag die Rate bei Angehörigen von Patienten im ersten Jahr sogar um den Faktor 8 höher. Doch bereits im fünften Jahr nach der Krebsdiagnose fanden sich überraschenderweise kaum noch Anzeichen für eine familiäre Häufung. Kari Hemminki vom DKFZ: „Unsere Daten zeigen deutlich, dass eine Krebserkrankung eines nahen Angehörigen das familiäre Krebsrisiko künstlich steigert.” Durch die verstärkte Bereitschaft zur Früherkennung würden bei Kindern und Geschwistern vermehrt Tumore in sehr frühen Stadien aufgespürt, die sonst unter Umständen gar nicht entdeckt worden wären und in keiner Statistik auftauchen würden.





