Die verlustreiche und vergebliche Belagerung Maltas (1565) markiert den Kulminationspunkt der osmanischen Seemacht. Verbunden mit Massenlandungen an italienischen und spanischen Küsten, wurden immer noch Hunderttausende auf muslimische Sklavenmärkte verschleppt. Erst die Seeschlacht von Lepanto (1571) beendete die osmanische Dominanz im Mittelmeer.
In seinem Buch „Entscheidung im Mittelmeer“ schildert Roger Crowley diesen Dauerkonflikt in einem großartigen Gemälde. Der Leser erlebt die Duelle zwischen Karl V. und Suleiman dem Prächtigen, zwischen Andrea Doria und Chaireddin Barbarossa. Zudem skizziert der Autor die Entscheidungsträger in Malta, Preveza (1538) und Lepanto, diejenigen um Karl V. in Tunis und Algier und um Don Juan d’Austria. Er berührt atlantische und asiatische Nebenfronten, zeichnet treffende Parallelen und legt die Wechselwirkungen gleichzeitiger Ereignisse auf verschiedenen Schauplätzen offen. Ohne nautische Fachsimpelei werden die Charakteristika des Galeerenkrieges vorgeführt oder die endlosen Leiden aufgezeigt, die Millionen christlicher und muslimischer Küstenbewohner von staatlich legitimierten Korsaren beider Seiten erlitten.
Nicht Strukturanalysen, son‧dern maritime Staatsaktionen bilden den legitimen Hauptstoff zu diesem Thema. Crowley bietet auch keine brandneuen, aus Archivforschung gewonnenen Perspektiven. Er schöpft dagegen aus der enormen Masse gedruckter frühneuzeitlicher Berichte und neuester Darstellungen, die er gut überblickt. Vor allem ist er ein brillanter Erzähler mit Sinn für frappante Zitate, für die überraschende oder bezeichnende Einzelheit, und mit dem Blick für weitgreifende Zusammenhänge und Synthesen.
Rezension: Eickhoff, Ekkehard




