von RALF BUTSCHER
Alljährlich in der Silvesternacht nimmt die Chemie auf imposante Weise Gestalt an. Bunte Leuchtraketen, krachende Böller und Funken versprühende künstliche Vulkane gehören für viele Menschen ebenso zum Jahreswechsel wie gute Neujahrswünsche und ein Glas Sekt. Rund 60.000 Tonnen an Feuerwerkskörpern wurden zuletzt allein in Deutschland pro Jahr verkauft und in die Luft gejagt. Über 180 Millionen Euro Umsatz machte der Handel 2023 mit pyrotechnischen Produkten, die nur in der kurzen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester zum Verkauf angeboten werden dürfen.
Doch Jahr für Jahr wird auch Kritik am Feuerwerk laut. Anfang 2025 gipfelte sie in einer Petition, die unter anderem von der Gewerkschaft der Polizei ausging und für ein Böllerverbot an Silvester warb. Im Fadenkreuz der Kritiker stehen – neben der Lärmbelästigung für Menschen und Tiere sowie möglichen Verletzungen und Bränden durch Feuerwerkskörper – vor allem die Gefahren für Umwelt und Gesundheit. So werden durch das pyrotechnische Spektakel etliche, teils schädliche Stoffe freigesetzt. Dazu gehören Rußpartikel, Mikroplastik und diverse chemische Substanzen wie Kohlenwasserstoffe, Perchlorate und Schwermetalle. Einige davon sind von vorneherein Bestandteile des stofflichen Cocktails, der die Effekte des Feuerwerks überhaupt erst ermöglicht, andere entstehen erst während des Abrennens.
Metallsalze sorgen für Farbeffekte
Ein Beispiel für die erste Art von Stoffen sind metallhaltige Salze. Sie werden Leuchtraketen beigefügt, um für die Farbigkeit von deren Lichterscheinungen zu sorgen. Je nach Art von Metall-Ionen, die in einer Rakete enthalten sind, erstrahlt der Himmel in einer unterschiedlichen Farbe. Die Ursache ist ein Quanteneffekt: Die beim Zünden des Feuerwerkskörpers freiwerdende Energie, die aus sogenannten exothermen chemischen Reaktionen stammt, regt Elektronen der positiv geladenen Metall-Kationen in höhere Energiezustände an. Danach kehren die Elektronen in ihren ursprünglichen Zustand zurück und geben dabei die Energie wieder ab – und zwar in Form von Licht einer bestimmten Wellenlänge und damit Farbe. So sorgen strontiumhaltige Salze für ein rotes Leuchten, Natriumverbindungen liefern gelbes Licht und Salze auf Basis von Barium färben das Feuerwerk grün.
Allerdings: Während manche der als Farbgeber verwendeten Metallsalze, die Metall-Kationen wie Kalzium, Natrium und Magnesium enthalten, für die Umwelt und den menschlichen Körper weniger bedenklich sind, gelten andere als gesundheitsgefährdend. „Ein Beispiel dafür ist Barium“, sagt Magdalena Rusan, die an der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Universität München über Pyrochemie forscht. „Eine Reihe von Salzen dieses Erdalkalimetalls wie Bariumchlorid und Bariumnitrat ist giftig.“ Sie können etwa Herzrhythmusstörungen auslösen oder das Nervensystem schädigen, mit drastischen Folgen bis hin zu Lähmungserscheinungen. Den Weg in den menschlichen Körper finden die schädlichen Stoffe etwa über Obst und Gemüse, auf dem sich Partikel mit Bariumverbindungen absetzen, oder über die Atemluft in die Lunge.





