Die virale Hepatitis ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leben mehr als 325 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-Infektion. Allein mit Hepatitis C stecken sich jedes Jahr 1,7 Millionen Menschen neu an. Das Fatale daran: Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündungen und zerstören im Laufe der Zeit das Lebergewebe. Dadurch können Leberzirrhosen und Leberkrebs entstehen – und zum Tode führen. Heute kennen Mediziner fünf verschiedene Viren, die Hepatitis verursachen können. Das war jedoch lange nicht der Fall. Bis in die 1960er Jahre hinein waren nur zwei Formen bekannt: Das über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel übertragene Hepatitis-A-Virus sowie das über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragene Hepatitis-B-Virus.
Es muss noch einen dritten Erreger geben…
Doch es gab einen großen Anteil von Hepatitis-Erkrankungen, die nicht auf einen dieser beiden bekannten Erreger zurückzuführen waren – das stellte auch Harvey Alter fest, der in den 1960er Jahren an den US-National Institutes of Health arbeitete. Nach Tests auf Hepatitis A und B blieben in den von ihm untersuchten Patienten-Blutproben noch immer viele Fälle von Leberentzündungen übrig, für die es keine Erklärung gab. Alter und sein Team beschlossen, die Probe aufs Exempel zu machen: Sie nahmen Blut dieser ungeklärten Fälle und übertrugen es an Schimpansen – diese Menschenaffen können wie wir an Hepatitis erkranken. Und tatsächlich wurden die Affen daraufhin krank. Damit war klar, dass das Blut einen noch unbekannten Erreger enthalten musste. Nähere Untersuchungen – unter anderem durch vorherige Filtration der verabreichten Proben – ergaben, dass es sich um ein Virus handeln musste.
Den zweiten Schritt in der Fahndung nach dem Erreger unternahm der Brite Michael Houghton, der damals an der University of Alberta in Kanada forschte. Er fahndete im Blut der infizierten Schimpansen zunächst nach DNA-Stücken, deren Signatur von einem Virus stammen könnte. Dafür isolierten Houghton und sein Team Antikörper aus dem Blut infizierter Hepatitis-Patienten und ließen sie mit den isolierten DNA-Fragmenten reagieren. Es gab einen Treffer: Die Antikörper banden an eines der Erbgutstücke. Nähere Analysen ergaben, dass dieses DNA-Stück zwar von den Zellen des Affen produziert worden war, dass seine “Schablone” aber das Erbgut eines RNA-Virus war. Demnach handelte es sich bei dem gesuchten Erreger um ein einzelsträngiges RNA-Virus mit positiver Polarität – wie das Coronavirus SARS-CoV-2, das Zika-Virus, das FSME-Virus oder das Denguevirus. Houghton und seine Kollegen grenzten den Erreger zudem als Angehörigen der Flaviviren ein.





