Der Nanobereich hat es in sich, wenn man versucht, die Fähigkeiten von Stoffen – „fabrics“ auf Englisch – auf dieser Skala einzusetzen. Zu diesen Qualitäten gehören die Speicherung von Energie, die Kommunikation, die Erzeugung von Wärme, das Abkühlen der Umgebung und die Verarbeitung digitaler Informationen. Wenn Stoffe so viel vermögen, begibt sich die Fantasie der Wissenschaftler ganz selbstverständlich auf eine Reise in die Zukunft.
So kann man sich an Hochschulen und Akademien vorstellen, dass Menschen von morgen Kleidung tragen, die voller Sensoren und elektronischer Bauteile stecken, mit denen sie ihren Lebensstil ändern und ihre Gesundheitsvorsorge verbessern können. Die Umsetzung dieser Idee traut man Stoffen zu, die als piezoelektrisch bezeichnet werden, was bedeutet, dass sie unter Krafteinwirkung Ladungen abgeben, also bei mechanischem Stress Elektrizität produzieren.
Man hat schon länger versucht, aus piezoelektrischem Material tragbare Utensilien anzufertigen, ohne dabei so weit zu kommen, wie man wollte. Nun ist es gelungen, hybride piezoelektrische Fasern anzufertigen, die als robuste und zugleich flexible Sensoren akustischer Signale funktionieren. Die Hörwahrnehmung bekommt dadurch eine neue Qualität. Es geht um Barium-Titanat-Partikel, die zwischen zwei Elektroden geklemmt werden. Und auch wenn die Entwicklung der dabei möglichen (und maschinenwaschbaren) Ein-Faser-Sensoren, die Klänge empfangen und aussenden können, noch nicht so weit ist, dass sie vermarktbare Produkte liefert, so träumen die beteiligten Wissenschaftler doch schon von drahtlosen Fasermikrophonen und Implantaten, die das Monitoring von Körperfunktionen in Echtzeit übernehmen. Und im Hintergrund redet man bereits über neue Chancen der künstlichen Intelligenz.
Noch ist der Weg dahin weit, und die tragbaren Nanosensoren müssen mit anderen elektronischen Geräten und ihren Schnittstellen verkoppelt werden. Das ist schon deshalb nicht so einfach, weil die akustisch sensitiven Fasern kaum etwas wiegen dürfen und extrem kompakt sein müssen. Aber der Weg in die Zukunft mit integrierter tragbarer Elektronik kann beschritten werden, und am Ende wird daraus wieder ein neuer Alltag.
Ich glaube nicht, dass man sich das normale Leben vor dem iPhone noch vorzustellen vermag. Eines Tages wird man sich fragen, wie man jemals ohne diese smarten Sensoren in den Jacken und Hosen durchs Leben kommen konnte. Aber wird sich das noch jemand von sich aus fragen, oder wird ein Knopf im Ohr einen daran erinnern, dass man das wissen wollte?





