Kirchen gliedert die Darstellung in zwei Teile: Zunächst handelt er chronologisch die Lebensstationen des Protagonisten ab. Er beschreibt, wie nach Jugendjahren in Schlesien, einem nicht abgeschlossenen Medizinstudium und einem anschließenden zehnjährigen Aufenthalt als Militärarzt im Osmanischen Reich aus dem polyglotten Eduard Schnitzer schließlich Emin Pascha wurde. Er stieg im Dienst des ägyptischen Vizekönigs zum Gouverneur einer Provinz im heutigen Sudan auf, wo er 1892 von Rebellen ermordet wurde.
Im zweiten Teil des Bandes werden dann „zeitübergreifende Einzelaspekte“ noch einmal aufgenommen und vertieft. Dazu gehören etwa die Wahrnehmung Emin Paschas durch seine Zeitgenossen, seine Verdienste als Geograph, Botaniker, Zoologe, Sprachwissenschaftler und Ethnologe sowie seine politischen Tätigkeiten. Hinzu kommen Betrachtungen über Emin Paschas ambivalentes Verhältnis zu den Religionen – er war gebürtiger Jude, dann evangelisch getaufter Christ und konvertierte schließlich offenbar zum Islam – und sein bei aller Aufgeschlossenheit dem damaligen Imperialismus verhaftetes Denken.
Herausgekommen ist dabei zwar ein Buch, an dem man nicht vorbeikommt, will man sich künftig mit der schillernden Figur Emin Paschas beschäftigen. Die Lektüre aber macht nicht unbedingt Freude. Dem stehen nicht nur ein recht trockener Stil und zahlreiche Redundanzen, unter anderem bedingt durch die Zweiteilung des Werks, entgegen. Der offenkundig – angesichts des benutzten Quellenmaterials – beeindruckend sprachenkundige Verfasser sieht sich auch genötigt, den Leser mit inhaltlich völlig überflüssigen Feinheiten arabischer Grammatik zu traktieren, was nicht recht zu der teils inkonsistenten Transkription von orientalischen Namen (modern türkisch bzw. osmanisch) passen will. Aber nicht nur diesbezüglich hätte der informative Band eine bessere Lektorierung verdient gehabt.
Rezension: Prof. Dr. Peter Thorau




