von RALF BUTSCHER
Würden sich Außerirdische mit einem Raumschiff aus Richtung Norden der Erde nähern, könnten sie den Eindruck gewinnen, die Menschen hätten bereits einen komfortablen Landeplatz für sie vorbereitet. Denn unter den anfliegenden Besuchern aus dem All würde sich der Arktische Ozean ausbreiten: ein großes, annähernd kreisrundes Meer, das den Nordpol umgibt und selbst fast überall an seinem Rand von Festland umrahmt ist. Nur über die schmale Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen ist das auch als Eismeer bekannte Gewässer mit den Weltmeeren in südlicheren Breiten verbunden. Zudem ist ein großer Teil des Arktischen Ozeans das ganze Jahr über mit einer geschlossenen und teils mehr als drei Meter dicken schwimmenden Eismasse bedeckt.
Erdgas, Erz und Edelsteine
Unter dem Meer im hohen Norden und vor allem in den Regionen an seinen Rändern verbirgt sich eine wahre Schatzkammer. Die meisten für die Energieversorgung oder als Materialien für die Herstellung diverser Produkte benötigten Rohstoffe lassen sich dort finden – und das teils in gewaltigen Mengen. In der Arktis, für deren südliche geografische Grenze es unterschiedliche Definitionen gibt, lagern sowohl riesige Ressourcen an Erdöl und Erdgas als auch zahlreiche Erze, Edel- und andere Metalle sowie Diamanten. Die Weltwirtschaft, die nach immer mehr Rohstoffen giert, kann dort förmlich aus dem Vollen schöpfen.
Das wussten die Menschen bereits in früheren Jahrhunderten. So werden in Nordeuropa seit Mitte des 17. Jahrhunderts mineralische Rohstoffe wie Eisenerz, Silber und Marmor aus der Erde geholt. Die heute zweitgrößte Eisenerzmine der Welt in Malmberget in der schwedischen Provinz Lappland ist seit 1745 in Betrieb. Noch größer ist nur das Untertagebergwerk bei der Stadt Kiruna, gut 100 Kilometer nördlich von Malmberget. Dort fördert das schwedische Unternehmen LKAB jährlich rund 25 Millionen Tonnen Roherz – und deckt damit unter anderem ungefähr ein Achtel des Bedarfs an Eisenerz in Deutschland.
Daneben liefern Bergwerke in arktischen Regionen viele andere metallische Rohstoffe wie Kupfer, Nickel, Zink und Gold aber auch Materialien für Hightech-Anwendungen, beispielsweise Seltene Erden und Molybdän. Dieses Metall wird wegen seiner großen Temperaturbeständigkeit unter anderem in Bauteilen für die Luft- und Raumfahrt verwendet.
Die Lagerstätten solcher Rohstoffe befinden sich vor allem dort, wo unter hohem Druck entstandene, kristalline Gesteine wie Granit dominieren. Außer in Nordskandinavien ist das in Teilen von Alaska und Sibirien der Fall. Die dortigen Kontinentalschilde enthalten teils mehr als zwei Milliarden Jahre alte Gesteine, die ideale Bedingungen für die Entstehung mineralischer Materialien boten. Eine der bedeutendsten Abbauregionen dafür umgibt die russische Stadt Norilsk am nördlichen Rand des Mittelsibirischen Berglands. Die 175.000-Einwohner-Stadt ist ein Zentrum unter anderem für die Förderung von Nickel und Kupfer.





