Das Klima-Phänomen “El Niño”, das Südamerikas Küsten alle drei bis sechs Jahre heftigen Regen bringt, könnte nach Ansicht von niederländischen Forschern dazu genutzt werden, überweidetes Land wieder fruchtbar zu machen und die Entstehung von Wüsten zu stoppen.
Würden betroffene Viehweiden während “El Niño” eine Saison lang nicht benutzt, könnte die Kombination von erhöhtem Niederschlag und verminderter Abweidung zur Erholung des Bodens ausreichend sein, erklären die Ökologen Marten Scheffer und Milena Holmgren von der Universität Wageningen im Wissenschaftsmagazin “New Scientist”.
Die Böden in manchen Landstrichen Südamerikas seien bereits so stark geschädigt, dass es nicht ausreiche, lediglich die Beweidung einzustellen, so Scheffer. Solange das Gleichgewicht stimme, sei ein Ökosystem gegenüber äußeren Einflüssen in gewissen Grenzen stabil. Dramatische Änderungen wie Überweidung oder extremer Niederschlag könnten das System jedoch aus der Balance bringen – zum Guten wie zum Schlechten. “El Niño” könnte nach Ansicht der Wissenschaftler Farmern dabei helfen, ihr Land durch eine Art Schocktherapie wieder fruchtbar zu machen.
Die Forscher testen ihre These derzeit in einem trockenen Gebiet im Norden Chiles. “Wir suchen Anhaltspunkte, ob ‘El Niño’ in der Vergangenheit die Erholung von Waldflächen beschleunigt hat”, erläutert Scheffer. Um Klimaänderungen auf die Spur zu kommen, untersuchen die Forscher Baumringe und Bodenparzellen. Ökologen bezweifeln, ob sich die Theorie von Scheffer und Holmgren in der Praxis umsetzen lässt, da das Auftreten von “El Niño” nicht exakt vorhersagbar ist.
Almut Bruschke-Reimer





