Das Klimaphänomen El Niño tritt alle paar Jahre auf und ist mit einer Veränderung der Meerestemperaturen im äquatorialen Pazifik verknüpft. Wenn sich die Meeresoberfläche dort für einen längeren Zeitraum um mindestens 0,5 Grad Celsius gegenüber dem langjährigen Mittel erwärmt, gilt dies als Indiz für einen El Niño. Beträgt der Temperaturunterschied zwei Grad Celsius oder mehr, sprechen Wissenschaftler von einem „extremen“ El Niño. In beiden Fällen verändern sich durch die erhöhten Meerestemperaturen die globalen Meeres- und Windströmungen, was Wetterextreme weltweit zur Folge hat. Es ist damit eines der einflussreichsten periodischen Klimamuster. Schon gewöhnliche El-Niño-Jahre sind durch Hitzewellen, Dürren, Sturzfluten und Überschwemmungen geprägt. In extremen El-Niño-Jahren fallen auch diese Wetterereignisse noch stärker aus.
Die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) sammelt seit den 1950er Jahren Daten zur Intensität und Häufigkeit des El Niño. Seither gab es alle zwei bis sieben Jahre einen El Niño, darunter vier extreme El-Niño-Ereignisse, beispielsweise im Winter 1997-98 sowie 2015-16. Im Winter 2023-24 ist der El Niño zwar knapp der Klassifikation als „extrem“ entgangen, war jedoch ebenfalls einer der stärksten El Niños seit Messbeginn. Da in dieser Zeit auch die Temperaturen an Land so hoch waren wie noch nie, stellt sich die Frage, ob extreme El Niños mit dem Klimawandel häufiger und ihre Folgen noch intensiver werden. Zwar gibt es einige Hinweise, die eine solche Entwicklung nahelegen, jedoch bislang keine ausreichenden Belege für diese Hypothese.
Jeder zweite El Niño wird extrem
Ein Team um Kaustubh Thirumalai von der University of Arizona hat nun ein neues Computermodell entwickelt, mit dem sich die künftige Entwicklung der El Niños genauer voraussagen lässt. Dafür simulierten sie zunächst ausgehend von den vorliegenden Messdaten der vergangenen Jahrzehnte, wie die El Niños der letzten 21.000 Jahre ausgesehen haben – seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit. Anschließend simulierten sie auf Basis dieser Erkenntnisse, wie sich diese Klimaereignisse künftig entwickeln könnten.
Die Analyse ergab, dass El Niño-Ereignisse mit der natürlichen Erderwärmung seit der letzten Eiszeit an Häufigkeit und Intensität zugenommen haben. Durch die menschengemachte Erderwärmung werden diese Ereignisse nun noch häufiger und stärker. Bis zum Jahr 2050 wird demnach sogar jedes zweite El-Niño-Ereignis ein extremes sein, sofern die Treibhausgasemissionen weiter steigen wie bisher. Dadurch könnten auch die damit verknüpften Wetterextreme in immer kürzeren Abständen auftreten. „Wenn diese Extremereignisse häufiger werden, hat die Gesellschaft möglicherweise nicht genug Zeit, sich zu erholen, wieder aufzubauen und sich anzupassen, bevor der nächste El Niño zuschlägt. Die Folgen wären verheerend“, sagt Co-Autor Pedro DiNezio von der University of Colorado in Boulder.






