Die Feldherrnpersönlichkeit Friedrichs des Großen und die Leistungsfähigkeit der preußischen Armee bildeten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Zentralperspektive der populären Deutung des friderizianischen Zeitalters. Die Einheit von Politik und Kriegführung schien in der Gestalt des großen Königs in geradezu vollendeter Form verwirklicht. Angesichts der offenkundigen Defizite, die etwa Kaiser Wilhelm II. gerade in dieser Hinsicht erkennen ließ, wurde die politisch-militärische Leistung des Königs der Kritik entrückt. Die erstaunlich rasche Verwandlung des am Rheinsberger Musenhof brillierenden prince-philosophe in einen Feldherrnkönig, einen roi-connétable, hat seine Zeitgenossen wie auch seine Biographen immer wieder aufs Neue beschäftigt.
Belesen in den Texten antiker Geschichtsschreiber, fasziniert vom Kriegsruhm König Karls XII. von Schweden, strebte auch der junge Friedrich danach, ein „Alexander des Nordens“ zu werden, wobei ihm durchaus bewusst war, dass persönliche Tapferkeit und Kühnheit, sofern sie nicht mit Staatsklugheit gepaart war, ins Verderben führen musste. Nicht zuletzt in bewusster Abgrenzung zu seinem Vater wollte Friedrich sein Herrscherbild in erster Linie durch Feldherrnruhm begründen.
Es war für den 20-jährigen Kronprinzen von Vorteil, dass ihn sein Vater als Zeichen seiner Versöhnung 1732 zum Oberst eines Infanterieregiments ernannt hatte. Hier fand er zunächst Gelegenheit, die Obliegenheiten des kleinen Dienstes, die Ausbildung der Soldaten, die Wirtschaftsführung eines Regiments vom Mannschaftsersatz bis zur Unterbringung und Verpflegung zu erlernen. Während des polnischen Thronfolgekriegs entsandte ihn der König 1734 in das Feldlager der kaiserlichen Truppen, damit er im Gefolge des greisen Prinzen Eugen von Savoyen unmittelbaren Anschauungsunterricht über die Kriegspraxis erhalte. Die drei Monate, die der Kronprinz im Feld stand, vermittelten ihm einerseits einen prägenden Eindruck von der mangelhaften Organisation und der dadurch beschränkten Leistungsfähigkeit der österreichi‧schen Truppen. Andererseits wurde er mit den Einzelheiten des militärischen Dienstes unter den Bedingungen des Krieges vertraut.
Der Kronprinz besaß nach dem Verständnis der Zeit eine gründliche Kenntnis über Ausbildung, Ausrüstung und Leistungsfähigkeit einer Truppe und wusste für zukünftige Aufgaben, wo die Grenzen der Belastbarkeit einer Armee lagen. Nicht in seiner bisherigen Rolle als Hilfskorps im Interesse des Kaiserhofs, nicht als Argument im diplomatischen Kräftespiel der großen Mächte, sondern als aktives kriegerisches Element preußischer Interessenpolitik wollte der Kronprinz die preußische Armee zukünftig verwenden.
Der Tod Kaiser Karls VI. am 20. Oktober 1740, wenige Monate nachdem Friedrich II. seinem Vater auf dem Thron gefolgt war, erschütterte das politische System in Europa in seinen Grundfesten. Der junge König strebte danach, in dem sich abzeichnenden Konflikt von vornherein eine günstige Position einzunehmen. Angesichts einer Armee von mehr als 80000 Mann und eines wohlgefüllten Staatsschatzes wollte sich der jugendliche Herrscher nicht mit der Besetzung unbedeutender Gebietsteile am Niederrhein zufriedengeben. Es bot sich die Gelegenheit, die Kernlande seines territorial zersplitterten Königreichs durch einen machtvollen Gewaltakt so zu arrondieren, dass Preußen dauerhaft ins Oberhaus der europäischen Mächte aufrücken konnte. Die Inbesitznahme Schlesiens schmälerte die Wirtschaftskraft des Habsburger Staates in dem Maße, in dem er die preußische vermehrte, seine Bevölkerungszahl und damit seine Heeresstärke erhöhte.




