Einer der Pioniere in Sachen Eigendiagnose ist das Unternehmen Vitaphone, das 1999 in Mannheim gegründet wurde. Vitaphone vertreibt ein Handy für Herz-Risiko-Patienten, das auf der Rückseite vier Kontakte besitzt. Fühlt sich der Patient unwohl, legt er das Handy auf die Brust und erstellt ein EKG, das per Mobilfunk in die Vitaphone-Notfallzentrale geschickt wird. Die ist rund um die Uhr mit einem Arzt besetzt, der das EKG bewertet. Droht Gefahr, schickt er sofort Hilfe.
Vitaphone hat etwas mehr als 1000 Abonnenten. Es könnten viel mehr sein, wenn die Krankenkassen das mobile EKG bezahlen würden, klagt Unternehmenssprecher Benjamin Homberg. Das würde sich unterm Strich rechnen, ist Homberg überzeugt: „Vitaphone reduziert die durchschnittliche Einlieferungszeit ins Krankenhaus von vier Stunden auf 90 Minuten.”
Einen neuen Vorstoß in diesen schwierigen Markt wagen fünf Fraunhofer-Institute mit sensSAVE. Verschiedene Minisensoren, die zum Beispiel in einem Uhrenarmband stecken oder in ein Hemd eingewoben sind, messen Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und EKG. Per Funk werden die Daten in einer Basisstation am Körper gesammelt– zum Beispiel integriert in eine Uhr – und von dort an einen Rechner in der Wohnung gesandt, der eine Sichtung der Rohdaten vornimmt. Online gelangen die Informationen an eine Zentrale, wo Ärzte sofort eine Diagnose stellen. Hauptproblem des Konzepts ist die große Zahl von Informationen, mit denen die Mediziner überflutet werden. „Manche Experten zweifeln deshalb, dass das Ganze überhaupt funktionieren wird”, sagt Martin Schmidt vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Doch Schmidt ist zuversichtlich und rechnet mit einem Bedarf von 10 000 Stück der Sensoren in den nächsten zehn Jahren. Die Markteinführung des Echtzeit-Vital-Monitoring ist für 2007 vorgesehen.





