“Wir interessieren uns für Sterne, die sich seltsam verhalten”: So beschreibt das Astronomenteam von der University of Washington in Seattle die Motivation, die zu den aktuellen Ergebnissen geführt hat. Die Grundlage bildeten dabei Informationen, die das Weltraumteleskop Gaia der Europäischen Weltraumorganisation ESA geliefert hat. Es kartiert die Milchstraße und durchmustert den Sternenhimmel auf der Suche nach auffälligen Strahlungseffekten. Im Fall des Sterns mit der Bezeichnung Gaia17bpp schlug das System an: Aus den Messdaten ging hervor, dass dieser Stern über einen Zeitraum von etwa zweieinhalb Jahren allmählich heller geworden war. So entschloss sich das Astronomenteam, der Frage nachzugehen, was es mit diesem Effekt auf sich haben könnte. Ihre Ergebnisse präsentierten sie nun auf der Tagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Seattle.
Fragender Blick auf eine Helligkeitsschwankung
Wie die Forscher berichten, war zunächst Recherchearbeit nötig, da die Gaia-Daten nicht weit genug zurückreichten, um mehr Informationen über das System zu liefern. Als hilfreich stellten sich Beobachtungen anderer Teleskope heraus, die bis ins Jahr 2010 zurückreichen – darunter Pan-STARRS auf Hawaii, der Satellit WISE/NEOWISE und die Zwicky Transient Facility in Kalifornien. In der Kombination der Informationen zeichnete sich dann ab: Gaia17bpp hatte über den Zeitraum von 2012 bis 2019 hinweg um etwa 4,5 Größenordnungen weniger stark geleuchtet als üblich. Die Aufhellung, die bei der Gaia-Durchmusterung aufgefallen war, bildete somit das Ende dieser siebenjährigen Abschwächung, erklären die Wissenschaftler.
Abgerundet wurde das Ergebnis durch Informationen, die aus einem digitalen Katalog von historischen astrofotografischen Platten stammen. Die Abbildungen des Sterns, die bis in die 1950er Jahre zurückreichen, zeigten: “In 66 Jahren Beobachtungsgeschichte haben wir keine anderen Anzeichen für eine signifikante Verdunkelung dieses Sterns gefunden”, sagt Co-Autor Anastasios Tzanidakis von der University of Washington. Zudem zeigte sich, dass auch kein anderer Stern im nahen Himmelsbereich um Gaia17bpp ein ähnliches Abblendverhalten gezeigt hat.
Ein spezielles Doppelsternsystem
Den Forschern zufolge legen die Beobachtungsdaten nahe, dass die Helligkeitsschwankung nicht auf eine Veränderung der Strahlkraft des Sterns selbst zurückzuführen ist. Stattdessen lassen die derzeit verfügbaren Daten vermuten, dass das Phänomen von einem beweglichen Objekt verursacht wurde, das uns zeitweilig den Blick auf Gaia17bpp verdüstert hat, sagen die Astronomen: “Wir glauben, dass dieser Stern Teil eines Doppelsternsystems ist – aus dem größeren Stern Gaia17bpp und einem kleinen Begleitstern, der von einer ausgedehnten Scheibe aus Staub umgeben ist”, sagt Tzanidakis. Einige vorläufige Daten deuten darauf hin, dass es sich bei Letzterem um einen kleinen, massereichen Weißen Zwergstern handeln könnte. Wie er zu seiner Staubscheibe kam, bleibt unklar. Doch offenbar ist sie ausgesprochen ausgedehnt: „Wenn sich dieses Material im Sonnensystem befände, würde es sich vermutlich von der Sonne bis zur Erdumlaufbahn oder noch weiter erstrecken”, so Tzanidakis.





