Im Januar 1692 bekam die Gemeinde Glaucha bei Halle einen neuen Pfarrer: August Hermann Francke. Der 29jährige war ein gelehrter Theologe, der in Erfurt und Kiel studiert und später als Professor an der Universität in Halle gewirkt hat. Doch Francke schwebte nicht in den Höhen der Wissenschaft. Der Begründer des Halleschen Pietismus predigte den „reinen kindlichen Glauben an Christus“.
Glaucha war eine arme Gemeinde, oft versammelten sich die Bettelkinder vor der Tür des Pfarrhauses. Die Erziehung dieser Kinder „zu einer lebendigen Erkenntnis Gottes und Christi und zu einem rechtschaffenen Christentum“ wurde Francke zur Lebensaufgabe. An Ostern 1695 gründete der Pfarrer in Glaucha ei- ne Armenschule. Früh sah Francke, daß damit nur ein Anfang gemacht war. Die Waisen- und Bettelkinder brauchten nicht nur Unterricht und Erbauung, sondern auch ein Dach über dem Kopf. So entschied er sich, „einige Kinder zu völliger Pflege und Erziehung“ aufzunehmen. Ob er ahnte, welche Folgen sein Entschluß haben würde? Jedenfalls hat er den Ausbau seines Waisenhauses mit unglaublicher Zielstrebigkeit vorangetrieben. Als er starb, war die Zahl der Kinder, Schüler, Lehrer, Mitarbeiter, Handwerker und Bediensteten auf über 2500 angestiegen. Aus dem Waisenhaus war eine umfassende Bildungseinrichtung samt Versorgungs- und Wirtschaftsbetrieben geworden.
Natürlich hatten die Franckeschen Anstalten eine eigene Landwirtschaft, doch zu den zukunftsträchtigen Betrieben, die der Theologe seiner Einrichtung angliederte, gehörten auch eine Buchhandlung, eine Druckerei und eine Apotheke, eine Backstube und eine Brauerei… Schließlich waren es nicht mehr nur Bettelkinder und Waisen: Aus der Stadt Halle schickten die Bürger ihre Söhne und Töchter in die Franckeschen Stiftungen, und das später angegliederte königliche Pädagogium wurde zur klassischen Ausbildungsstätte für den preußischen Adel.
Franckesche Stiftungen
Franckeplatz 1, 06110 Halle
Telefon 0345/2127-400
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Öffnungszeiten: Hauptgebäude: Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr; Kulissenbibliothek: Dienstag bis Sonntag 10–12 und 14–16 Uhr .
Uwe A. Oster




