Die dreifache schöpferische Leistung Roms begann mit Caesar, der als erster Römer mit Sueben zu tun bekam und über sie schrieb. Seine militärischen Aktionen hatten ein klares politisches Ziel: für die gallischen Eroberungen die Rheingrenze zu erreichen und auf Dauer zu sichern. So wurde es römische Maxime, alle Konkurrenten westlich des Stroms auszuschalten und, wie der griechische Geograph Strabo bereits um Christi Geburt feststellte, befriedete Völker entweder nach Gallien umzusiedeln oder unter bestimmten Auflagen im Raum östlich des Rheins zu belassen, potentielle Angreifer aber zur Abwanderung ins innere Germanien zu zwingen.
Die suebische Geschichte begann damit, daß ein suebischer Heerführer mit dem keltischen Namen Ariovist vor dem Jahr 70 v. Chr. mit einer polyethnischen Völkergruppe den Rhein in Richtung obere Saône überschritt, wo er mit seinen Leuten von den gallischen Sequanern als Bundesgenosse unter Vertrag genommen wurde. Ariovist war, ob Mainsuebe, Triboker oder anderer Sonderherkunft, ein Suebe: das heißt, wie der Name sagt, „einer, der von eigener, freier und echter Herkunft war“ (so der Sprachwissenschaftler Wolfgang Haubrichs). Der Sueben-Name konnte schon zu Caesars Zeiten sowohl eine Vielzahl von Völkern als auch ein bestimmtes Volk meinen. Die Sueben besaßen hohes Prestige; ihnen seien – nach Ansicht anderer Germanen – nicht einmal die unsterblichen Götter gewachsen. Ihr Name entwickelte daher – entgegen seiner Grundbedeutung, die auf eine Abstammungsgemeinschaft zielte – starke expansive Kraft. Man wollte auch Suebe sein, ahmte sie nach und trug wie sie das Haar in einem Suebenknoten gebunden.
Die enorme Attraktivität spiegelt die Zusammensetzung des Ariovist-Heeres. Genannt werden Sueben, möglicherweise vom Main, und die suebischen Markomannen; sie siedelten zu Caesars Zeiten zwischen Main, Neckar und Donau. Ihr Name bedeutete „Männer an der Grenze“, das heißt an der Grenze zu den süddeutschen Kelten. Dazu kamen die ebenfalls suebischen, noch mehrheitlich rechtsrheinischen Triboker, Nemeter und Vangionen, die späteren Leute von Brumath im Elsaß, von Speyer und Worms westlich des Stroms. Ariovist folgten auch eine große Zahl skandinavischer Haruden, ein möglicher Kampfbund skandinavischer Jungkrieger, die sich Sedusen/Eudosen nannten, und schließlich eine norisch-keltische Gruppe unbestimmter Größe. Sie hatte der Norikerkönig Voccio seiner Schwester mitgegeben, als er sie nach Gallien sandte, um sie mit dem Sueben zu verheiraten.
Nach dem Sieg über die Helvetier ging Caesar noch im Spätsommer 58 v. Chr. daran, auch die in Gallien eingedrungenen Scharen Ariovists zu stellen. Nach geschickten Verhandlungen und taktisch klugen Operationen vernichtete Caesar die germanischen Völker Mitte September vielleicht beim heutigen Mulhouse (Elsaß). Ariovist konnte entkommen und ist spätestens 54 v. Chr. rechts des Rheins gestorben. Caesars Erzählung machte Ariovist auf mehrfache Weise zu einem Ersten: Er war der erste Barbarenfürst, der als Suebe und zugleich als Germane bezeichnet, aber auch als König und Freund des römischen Volkes anerkannt wurde. Er war der erste und nahezu einzige „König der oder, besser, von Germanen“, den die Römer so nannten und den daher die Geschichte kennt. Er war der erste Germane, von dem längere Aussagen in der ersten Person bekannt sind und der den Römern seine Kriegsdienste antrug.




