Nach einigen Monaten im Versteck entschloss Rachel Margolis sich, zu ihrer Familie ins Wilnaer Ghetto zu gehen, dort konnte sie sich einer Untergrundorganisation anschließen. Mit anderen Widerständlern bereitete sie einen Aufstand im Ghetto vor, verliebte sich dabei in ihren späteren Ehemann Chaim, arbeitete aber auch gern in der GhettoBibliothek, wo sie die 100000. Buchausleihe feierte – und die Bibliothek gleichzeitig als Waffenversteck benutzte. Nach dem fehlgeschlagenen Aufstand flüchtete ein Großteil der meist jungen Beteiligten aus dem Ghetto und stieß zu sowjetischen Partisanen. Diese begrüßten die Juden, noch dazu die Frauen unter ihnen, keineswegs als gleichberechtigt. Hartnäckig mussten die Wilnaer auf eigenen jüdischen Abteilungen und Kampfaufträgen beharren, die sie ausführten, bis die deutschen Besatzer endlich geschlagen abzogen.
Nach dieser gefährlichen, rastlosen Zeit fiel es Rachel und Chaim schwer, ein ziviles Leben aufzubauen. Die ganze Familie Rachels war ermordet worden. Schließlich zog das Ehepaar im zerstörten Wilna mit ehemaligen Partisanen in eine Wohngemeinschaft. Beide Ehepartner studierten; eine Tochter bekam Rachel erst spät. Als sie aus dem Berufsleben ausschied, gründete sie mit anderen das Jüdische Museum in Wilna. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass in Ponary ein Denkmal an die ermordeten Juden erinnert. Als junge Frau wollte sie kämpfen, älter geworden, drängte es sie, Zeugnis abzulegen. Beides ist ihr eindrucksvoll gelungen.
Rezension: Meyer, Beate




