Der polnisch-litauische Reichsverband, der aus der staatsrechtlich eigenständigen Krone Polen, ukrainischen Territorien, Westpreußen sowie dem Großfürstentum Litauen bestand, zählte Ende des 17. Jahrhunderts mit über 700000 Quadrat-kilometern Fläche zu den größten europäischen Staaten. Er umfasste – in modernen Bezeichnungen gesprochen – neben dem heutigen Zentralpolen auch Litauen, Weißrussland und die Ukraine rechts des Dnjepr. In Polen-Litauen lebten rund zehn Millionen Menschen, wobei die Besiedlung und das Städtenetz im Großfürstentum Litauen und in der Ukraine deutlich abnahmen. In dem Reichsverband lebten neben Polen und Litauern größere ostslawische (rund 35 Prozent), jüdische (acht Prozent) und deutsche (vier Prozent) Bevölkerungsgruppen, wobei das Polnische und das Lateinische als Verkehrs- und Elitensprachen benutzt wurden.
Die – gemessen an Westeuropa – niedrige Bevölkerungsdichte und fehlende natürliche Verkehrswege erschwerten die Kommunikation in dem polnisch-litauischen Reichsverband, der über Danzig an das Nachrichtenwesen im Ostseeraum und über Krakau und Schlesien an das habsburgische Postwesen angeschlossen war. Der Ausbau eines inneren Postsystems hatte insbesondere nach 1650 mit der europäischen Entwicklung nicht Schritt gehalten, neben dem monarchischen Eilboten funktionierte eine Nachrichtenübermittlung durch einen ausgeprägten Austausch innerhalb des Adels sowie eine Kommunikation über Handelsnetzwerke.
Auch konfessionell war der Reichsverband gemischt strukturiert. In einer herrschenden Position befanden sich die katholischen Eliten: Seit 1669 war die Katholizität des Herrschers verfassungsrechtlich verankert, und auch die adligen Mitglieder der Ständeversammlung, des Sejm, waren seit den 1660er Jahren mit wenigen Ausnahmen Katholiken. Es lebten jedoch Lutheraner in dem westlichen Teil Preußens, der zur polnischen Krone gehörte (mit wirtschaftlich beherrschenden Positionen in den großen Städten Danzig, Elbing und Thorn), und in Großpolen sowie Reformierte vor allem in Litauen. Große unierte (griechisch-katholische) Bevölkerungsgruppen, die den Heiligen Stuhl als oberste Instanz anerkannten, aber einen ostslawischen Ritus mit Priesterheirat und altkirchenslawischer Liturgiesprache pflegten, bestanden in den weißrussischen und ukrainischen Territorien; Orthodoxe lebten vor allem in der Ostukraine. Berücksichtigt man noch Juden, islamische Tataren, armenische Christen und Mennoniten, so wird das komplizierte konfessionelle Mosaik sichtbar, das ein Erbe der Integration kulturell unterschiedlich geprägter Territorien und komplizierter Reformationsprozesse in der frühen Neuzeit darstellte. Die wachsende katholische Intoleranz, in deren Folge sich die katholischen Eliten immer stärker als alleinige vertrauenswürdige Träger einer katholisch-polnischen Staatsidee empfanden, stellte allerdings diese differenzierte konfessionelle Landschaft zunehmend in Frage.
Politisch galt Polen-Litauen den Zeitgenossen als europäische Großmacht: König Johann III. Sobieski hatte 1683 entscheidend zum Sieg gegen die osmanischen Truppen bei Wien beigetragen und sich auch in den polnisch-osmanischen Kriegen der 1670er und 1680er Jahre behaupten können. Der junge sächsische Kurfürst Friedrich August, der sich selbst an den kaiserlichen Türkenfeldzügen beteiligt hatte, fand hier vertraute Rahmenbedingungen vor. Insbesondere die Kavallerie, die sich auch gegenüber einem schwedisch-brandenburgischen Einmarsch (1655 –1660) behauptet hatte, galt als gefürchteter militärischer Gegner. Durch seine territoriale Ausdehnung spielte der Reichsverband in der Türken- wie Ostseepolitik eine erhebliche Rolle und konnte als ein zentraler Machtverband des östlichen Europas gelten, der aber im Unterschied zu Mächten wie Schweden oder den Habsburgern eine betont defensive Außenpolitik betrieb.




