Die alten Waffen der Medizin gegen bakterielle Erreger werden zunehmend stumpf: Viele Bakterien, darunter der berüchtigte Krankenhauskeim MRSA, sind inzwischen gegen gleich mehrere Antibiotika-Klassen immun. Bereits resistente Mikroben geben ihre gefährlichen Eigenschaften dabei nicht nur an ihre eigenen Nachkommen weiter. Sie können sie auch an andere Stämme und Arten übergeben und dadurch zu einer noch schnelleren Verbreitung der Resistenzen beitragen. Das hat fatale Folgen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass aktuell rund 700.000 Menschen pro Jahr aufgrund von Resistenzen sterben. Bis 2050 könnte diese Zahl sogar auf zehn Millionen steigen.
Fahndung im Abwasser
Doch wo ist das Problem der Resistenzen weltweit am größten? Um dies herauszufinden, haben Forscher um Rene Hendriksen von der Technischen Universität Dänemark in Lyngby nun Abwasserproben aus 74 Städten in 60 Ländern untersucht. “Die Analyse von Abwasser ist eine kostengünstige und einfache Methode, um festzustellen, welche Bakterien und Resistenzen in einer bestimmten Region verbreitet sind”, erklärt Hendriksens Kollege Frank Aarestrup. Für ihre Auswertung sammelten die Wissenschaftler sämtliches in den Proben vorhandenes DNA-Material und konnten so in Bakterien verbreitete Resistenzgene nachweisen.
Insgesamt entdeckte das Team bei seiner Fahndung im Abwasser 1546 unterschiedliche Bakteriengattungen – von Escherichia über Streptococcus bis hin zu den unter anderem als Erreger von Lungenentzündung und Meningitis bekannten Acinetobacter. Dabei identifizierten Hendriksen und seine Kollegen 1625 unterschiedliche Resistenzgene, darunter einige, die sich ihnen zufolge erst vor kurzem entwickelt haben. Die meisten dieser genetischen Anpassungen vermitteln den Mikroben unter anderem Resistenzen gegen Tetrazykline, Beta-Lactam-Antibiotika, Aminoglykoside und die Wirkstoffklasse der Sulfonamide.
Asien und Afrika als Hotspots
Bei der Auswertung der Daten stellte sich wie erwartet heraus, dass Resistenzen gegen Antibiotika und Co global keineswegs gleichmäßig verteilt sind. Wie die Forscher berichten, lassen sich die untersuchten Länder grob in zwei Kategorien einteilen. In Nordamerika, Westeuropa, Australien und Neuseeland ist das Resistenzniveau demnach insgesamt am niedrigsten. Staaten in Asien, Afrika und Südamerika haben im Vergleich deutlich stärker mit Resistenzen zu kämpfen. Auch in Bezug auf die Vielfalt an Resistenzen stellten die Wissenschaftler länderspezifische Unterschiede fest. So wiesen sie in Australien und Neuseeland die geringste Diversität an Resistenzgenen nach, in Brasilien, Indien und Vietnam die größte. “Diese Länder könnten daher Hotspots für die Entstehung neuer Resistenzmechanismen darstellen”, schreibt das Team.





