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Eine Gesundheit für alle
Lange vor der Corona-Pandemie hatten Wissenschaftler gewarnt, die Krankheitsausbrüche bei Tieren und Menschen aufgrund von neuen Erregern würden sich häufen. Viren, die sich flexibel mehrere Wirte aussuchen könnten, seien im Vorteil. Eine, die so argumentierte, war Christine Keuder Johnson vom One Health Institute…
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von SUSANNE DONNER
Lange vor der Corona-Pandemie hatten Wissenschaftler gewarnt, die Krankheitsausbrüche bei Tieren und Menschen aufgrund von neuen Erregern würden sich häufen. Viren, die sich flexibel mehrere Wirte aussuchen könnten, seien im Vorteil. Eine, die so argumentierte, war Christine Keuder Johnson vom One Health Institute der University of California: Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Pandemie mit verheerenden wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen käme, prognostizierte sie 2015 in einer Veröffentlichung im Magazin Science Reports.
91 Prozent aller weltweit bekannten zoonotischen, also vom Tier stammenden Infektionserreger sprangen von Wildtieren auf den Menschen über, analysierte Keuder Johnson. Die übrigen stammten von Nutz- und Haustieren. Befallen können sie den Menschen aber nur, wenn er in den Lebensraum von Tieren eingreift und mit ihnen in Kontakt tritt. So flammen Ebola-Ausbrüche häufig dann auf, wenn Menschen in Afrika sogenanntes Buschfleisch wie etwa Flughunde, die das Virus beherbergen, roh verzehren. In Saudi-Arabien sprang das SARS-Virus von Kamelen auf den Menschen über und initiierte eine Krankheitswelle, die von 2002 bis 2003 wütete.
„Neue Krankheiten sind eine direkte Folge davon, dass wir die natürlichen Lebensräume der Tiere zerstören“, sagt Anna Katharine Hornidge, Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn. „Menschliche, planetare, tierische und pflanzliche Gesundheit hängen also voneinander ab und müssen zusammen gedacht werden“, so die Soziologin. Hornidge greift damit auf, was die Wildlife Conservation Society bei einem internationalen Treffen in Manhattan 2004 zum ersten Mal in ein Credo gegossen hat: „One World – One Health“, „eine Welt – eine Gesundheit“.
Der Mensch in Abhängigkeit
2021 konkretisierte die US-amerikanische Naturschutz-Stiftung die Prinzipien der One-Health-Strategie bei einem Gipfeltreffen in Berlin. Mit von der Partie war Chris Walzer, der für die Wildlife Conservation Society arbeitet und am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Universität Wien lehrt. „Menschen, Tiere und Pflanzen können nur gesund sein, wenn der Boden, die Luft und das Wasser sauber sind“, formuliert er eine Schlüsselerkenntnis. Er selbst habe über diese ökosystemische Abhängigkeit jahrelang hinweggesehen, bedauert er. „Es gibt dieses Venn-Diagramm: Ein Kreis symbolisiert den Menschen, einer die Umwelt und ein weiterer die Tierwelt. Alle drei Kreise überlappen sich. Wir haben das Diagramm aufgezeichnet und uns nie Gedanken darüber gemacht, was eigentlich in der Schnittmenge der drei Kreise abläuft.“
Pflanzen liefern uns beispielsweise den Sauerstoff zum Atmen. Früchte, Saaten und Gemüse sind unser Essen. Ohne Natur können wir nicht überleben. Besonders viele dieser Geschenke macht dem Menschen nicht etwa die von ihm gestaltete Kulturlandschaft, sondern ausgerechnet die unberührte Natur: Wenn im Quelleinzugsgebiet eines Flusses ein intakter Wald wächst, ist das Wasser von besserer Qualität, als wenn Menschen die Umgebung bewirtschaften, nennt Walzer ein Beispiel. Ein intakter Boden kann organische Stoffe, wie sie etwa bei der Olivenölproduktion anfallen, zu einem gewissen Grad selbst reinigen. Denn Bakterien im Boden bauen die Substanzen einfach ab. Degradierte, versalzene Böden hingegen büßen diese Regenerationsfähigkeit ein.
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„One Health“ ist spätestens seit der Corona-Pandemie ein geflügeltes Wort. In den USA arbeitet eine Kommission unter dem gleichnamigen Titel. Weltweit werden immer öfter Professuren und Expertentitel mit dem Wort geschmückt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in „One Health“ die Lösung zur Vorbereitung auf die nächste Pandemie. Sie widmete den ursprünglich ökosystemisch geprägten Begriff damit um und beschränkte ihn auf Infektionskrankheiten tierischen Ursprungs. Deswegen drehen sich seither auch die meisten Publikationen um dieses Schlagwort.
Doch Walzer und auch Hornidge mahnen: Wer nur an Infektionskrankheiten denkt, wird den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – vom Klimawandel bis zum Verlust der Biodiversität – nicht gerecht. Zumal all diese Probleme miteinander verschränkt sind: Die Erderwärmung beschleunigt beispielsweise die Zerstörung von Lebensräumen und das Artensterben. Die Verbrennung fossiler Ressourcen facht den Klimawandel an. Zugleich setzt sie Feinstaub und Schadstoffe frei, die nach Schätzungen der WHO jedes Jahr 4,2 Millionen Menschen vorzeitig das Leben kosten (siehe auch „Kleine Teilchen mit großer Wirkung“ in bdw 12/2022). „Wir lassen die Armen – die unterste Milliarde – und die Umwelt, von der sie unmittelbar abhängen, durch ungezügelten, schädlichen und ständig wachsenden Konsum im Stich“, heißt es in der Berliner Erklärung der Wildlife Conservation Society.
Lernen von Afrika
Der Blick geht nach Afrika, wenn es um Notleidende geht und um die Gefahren von Infektionskrankheiten wie Ebola. Es mag paradox erscheinen, aber Afrika ist auch der Kontinent, dem viele seit der Corona-Pandemie mehr Respekt zollen und der noch vor vielen anderen Ländern „One Health“ als Chance erkannt hat.
Gerade für die Überwachung von Infektionskrankheiten haben die afrikanischen Länder infolge der ständigen Bedrohung modernere Systeme als die traditionell arbeitenden Gesundheitsämter in Deutschland. Ehe Covid nach Afrika kam, hatten Nigeria und Ghana bereits ein digitales Gesundheitsnetz namens „SORMAS“ in Betrieb (abgekürzt für „Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System“, frei übersetzt: Überwachungs- und Ausbruchsmanagement und Analysesystem). Erst im Frühjahr 2021 wurde es auf Geheiß von Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel auch in Gesundheitsämtern hierzulande genutzt und dient seither der Erfassung von Covid-Fällen und der Kontaktnachverfolgung.
In den Pionierländern Ghana und Nigeria können die Gesundheitsbehörden über das System längst mehr als 30 Infektionskrankheiten, darunter Covid-19, im ganzen Land überwachen. Gründervater des Systems ist ausgerechnet ein in Deutschland tätiger Forscher: der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Er entwickelte es in Zusammenarbeit mit den Kollegen in Nigeria als Reaktion auf die Ebolafieber-Epidemie, die 2014 bis 2016 dort wütete. „Wenn man weiß, wo und wie viele Menschen infiziert sind, kann man Schlimmeres verhindern, mag die Krankheit noch so gefährlich sein“, sagt Krause.
2017 kam es in Nigeria zu gleich drei sich überlagernden Krankheitsausbrüchen: Affenpocken grassierten, Meningokokken-Infektionen kamen hinzu, und eine Lassafieberwelle setzte ein. „Dieser Dreifachausbruch war unsere Feuertaufe“, sagt Krause. In der bedrohlichen Lage machte SORMAS die Infektionsketten sichtbar und half, die Lage einzuschätzen. Das System trug schließlich dazu bei, dass das Gesundheitspersonal vor Ort die Ausbrüche in den Griff bekam. Das überzeugte die nigerianische Regierung, SORMAS in hohem Tempo im ganzen Land verfügbar zu machen, resümiert Sabine Ablefoni, Westafrikaexpertin bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Ehe die erste Covid-Infektion in Ghana und Nigeria auftrat, hatten beide Staaten das System in weiten Teilen ihrer Länder eingeführt – inzwischen überall.
„SORMAS ist für Länder entwickelt, die wenig Infrastruktur haben“, erklärt Krause. Das Personal gibt nur solche Daten ein, die wenig Speicherplatz einnehmen. Das System kann über ältere Mobiltelefone oder eine Smartphone-App genutzt werden. Daten können zunächst sogar offline eingegeben, zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt übertragen werden. Das ist in vielen afrikanischen Ländern besonders wichtig, weil die Mobilfunknetze instabil und in bestimmten Regionen nur in sehr geringer Bandbreite oder gar nicht verfügbar sind. Die Internetverbindung ist gewissermaßen der Flaschenhals.
„Die ständige Bedrohung mit Infektionskrankheiten hat uns gelehrt, mit unseren begrenzten Ressourcen nach tragfähigen Lösungen zu suchen“, erklärt der One-Health-Experte Fasina Folorunso von der Universität Pretoria in Südafrika. Er nennt ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: „Im Oktober 2022 liefen Füchse in eine tansanische Grundschule auf dem Land und haben dort Kinder gebissen. Die mussten so schnell wie möglich in die nächste Stadt gefahren werden, die viele Stunden entfernt liegt, und nachträglich gegen Tollwut geimpft werden“, erzählt er.
Die One-Health-Strategie, multiple Probleme gemeinsam zu analysieren und zu lösen, sei eine große Chance und eine gute Antwort für Afrika, weil nur begrenzte finanzielle Mittel vorhanden seien, erläutert Folorunso und nennt ein anderes Beispiel: Antibiotikaresistenzen breiten sich in den Armenvierteln der südafrikanischen Großstädte aus. Die Bewohner ziehen Gemüse und Obst im Abwasser. Die Pflanzen nehmen die gefährlichen Keime auf, und über die Nahrung verbreiten sie sich unter den Menschen. „Es ist eine leise Pandemie“, sagt er. Gegen die hochgerüsteten Erreger helfen Tabletten nicht mehr, das macht sie so gefährlich. Auch hierzulande kämpfen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit den resistenten Stämmen. Man müsse den verantwortungsvollen Umgang mit den Medikamenten einerseits und das Monitoring andererseits stärken, fordert der afrikanische Experte. Ärzte und das Gesundheitspersonal müsse man schulen, bei Viruserkrankungen keine Antibiotika zu geben, die nur gegen bakterielle Erreger helfen. Labore in Afrika müssten in die Lage versetzt werden, die resistenten Keime zu detektieren – das nationale Labor in Kenia hat kürzlich eine Iso-Zertifizierung zum Nachweis von 81 verschiedenen Krankheitserregern erhalten. Und natürlich – das zeigt einmal mehr die Ganzheitlichkeit des One-Health-Ansatzes – würden auch alle Maßnahmen, die Armut lindern sowie die Infrastruktur und Hygiene in den Vierteln verbessern, Abhilfe leisten.
Innovative Lösungen
Dabei sind Lösungen, die in der Vergangenheit im Westen tragfähig erschienen, nicht unbedingt für afrikanische Länder geeignet – und womöglich auch hierzulande weniger gut als gedacht. Zwei Milliarden Menschen weltweit haben bis heute keine eigenen Sanitärsysteme. Der Kontakt mit Fäkalien kann für sie gefährlich und zum Ansteckungsherd mit Cholera-Erregern und anderen Keimen werden. Aber die Erfindung der Kanalisation und der Spültoilette hat der Menschheit viele neue Probleme beschert, sodass Laura Kahn, Mikrobiologin an der Universität Princeton in den USA, beides für ein Auslaufmodell hält. Kahns Analyse nach One-Health-Gesichtspunkten zeigt: Das WC wird dem zunehmenden Mangel an sauberem Wasser nicht gerecht, da es unsere Exkremente mit dem Zwanzigfachen an Trinkwasser fortspült. Für dürregeplagte Regionen in Afrika wäre es wie Hohn, diese Innovationen zu preisen.
Mehr noch, der nach wie vor schlechte Zustand der Gewässer in Deutschland, der mit der Wasserrahmenrichtlinie der EU fortlaufend objektiv dokumentiert wird, ist eine Folge davon, dass mit den Fäkalien massenhaft Phosphate und Nitrate ins Abwasser gelangen. Die Weltbevölkerung und ihre Nutztiere produzierten 2014 vier Milliarden Tonnen Kot und noch viel mehr Urin, der im Übrigen 90 Prozent des Stickstoffs und Phosphors enthält. Das restliche Zehntel befindet sich in den festen Ausscheidungen. „Wir verschmutzen mit diesen Unmengen an Fäkalien momentan die Umwelt“, klagt Kahn. Die Klärwerke entfernen die Nährstoffe nur unzureichend, diese reichern sich in Seen und Flüssen an und belasten das Grundwasser. Algen, mitunter giftige Arten wie im Fall der Oder-Katastrophe, sprießen und lassen die Gewässer kippen.
Mit den westlichen Sanitärsystemen wurde laut Kahn vor über 100 Jahren ein wichtiger Nährstoffkreislauf der Natur gekappt: Pflanzen liefern uns Früchte zum Essen, Mensch und Tier geben ihnen im Gegenzug mit ihren Hinterlassenschaften Nitrat und Phosphat zurück – Nährstoffe, die die Pflanzen auf anderem Wege nicht in so hoher Dosis bekommen können. Nur mit diesen Nährstoffen kann die Flora üppig und gesund wachsen. Mensch, Tier und Pflanze hängen voneinander ab.
Bauern düngen ihre Felder längst überwiegend mit Mineraldünger. Die Stickstoffkomponente entsteht unter immens klimaschädlichem Energieverbrauch in Chemiefabriken. Die Phosphate holen Arbeiter aus Erzminen wie etwa in Marokko. Gerade die Phosphate aus den Bodenschätzen sind aber so hoch mit Cadmium und Uran verunreinigt, dass sie unsere Böden und Nahrung belasten und die Gesundheit der Menschen gefährden. Diese Zusammenhänge machen deutlich: Einem One-Health-Prinzip folgt der gebräuchliche Umgang mit den Hinterlassenschaften nicht. „Man muss die Nährstoffe aus den Exkrementen nutzen, ohne die Gesundheitsrisiken auszublenden“, appelliert Kahn.
Wenn die Exkremente beispielsweise erhitzt werden, sterben Krankheitserreger ab. 80 Grad Celsius für einige Minuten reichen für den Urin, macht ein kleines Schweizer Unternehmen vor. Vuna heißt es, was auf südafrikanisch „Ernte“ bedeutet. Zuerst wurde die innovative Methode im südafrikanischen Durban eingesetzt. Mittlerweile sammelt das Unternehmen aber auch den Urin der 500 Beschäftigten des Schweizer Wasserforschungsinstituts EAWAG über spezielle Trenntoiletten und verarbeitet ihn zu Pflanzendünger. Dieser enthält Phosphate, Nitrate und Kalium – also alle Mineralstoffe, die Pflanzen brauchen. Medikamentenrückstände entfernt das Start-up mit einem Aktivkohlefilter, schließlich sollen weder Rückstände von Antibabypille noch Psychopharmaka im Dünger schwimmen. 2018 ließen die Schweizer Behörden das Düngemittelprodukt namens Aurin für Zier- und Nutzpflanzen zu. Eine Befragung im Verbundprojekt „Agrarsysteme der Zukunft“ ergab kürzlich, dass Landwirte solche neuen Düngemittel annehmen würden, wenn sie im Hinblick auf Schadstoffe sicher sind.
„Wir verschwenden die Nährstoffe im Urin nicht mehr“, sagt Sebastian Etter, Chef der Firma Vuna. Im kommenden Jahr sollen drei weitere Fabriken entstehen: in Lausanne, Genf und im schweizerischen Freiburg, außerdem an mehreren Stellen in Paris. „Unsere Anlagen brauchen 60 Quadratmeter Platz im Keller. Das ist so viel wie fünf Garagenstellplätze“, erklärt Etter.
Probleme bei der Umsetzung
Kahns Analyse zufolge wäre das ein One-Health-Ansatz. Problematisch ist allerdings, dass die Politik in Silos organisiert ist, klagt Walzer von der Wildlife Conservation Society. Auch sein afrikanischer Kollege Folorunso sieht die Überwindung der Sektorengrenzen in der Politik als wichtigstes Hemmnis, One-Health-Lösungen überhaupt erarbeiten zu können.
Wenn heute eine Straße in ein unberührtes Gebiet gebaut wird, dann sei das eine neue Kontaktfläche für die mögliche Übertragung zoonotischer Infektionskrankheiten, veranschaulicht Walzer das Problem an einem fiktiven Beispiel. Die Straße hat das Verkehrsministerium zu verantworten. Das Gesundheitsministerium hat davon aber nichts gewusst. Und wenn dann noch Vieh entlang der Straße weidet, ist das Landwirtschaftsministerium betroffen. Es hat sich aber mit der Straße und deren Bedeutung für übertragbare Krankheiten noch nie befasst. Eigentlich müssten alle drei Ministerien gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass eine Straße, die einen intakten Lebensraum von vielen Wildtieren zerschneidet, letztlich ungünstig für Mensch, Tier und Umwelt ist, so Walzer.
Wie brisant das Beispiel ist, macht eine aktuelle Studie deutlich. Die Zersiedelung schreitet weltweit immer weiter voran, wie das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden im November 2022 im Journal PLOS Sustainability and Transformation beschreibt. Die bebaute Fläche wachse jede Stunde um rund 1,2 Quadratkilometer – das entspricht mehr als 160 Fußballfeldern. Insbesondere Europa stellen die Autoren ein schlechtes Zeugnis aus: Der Kontinent ist der am stärksten zersiedelte Erdteil. Menschen haben hier seit 1990 am meisten Naturräume durch Bebauung zerschnitten.
Winzige Grünflächen mitten in den Siedlungsräumen seien eher ein Risiko als von Nutzen, warnt Walzer. Sie bieten wenigen Arten Unterschlupf, Ratten etwa, die dann in engem Kontakt mit dem Menschen stehen und so Krankheiten verbreiten könnten. Solche Flächen müssten zumindest gut überwacht werden. Statt dem heute üblichen fragmentierten Naturschutz – hier eine kleine Ausgleichsfläche, dort eine Verkehrsinsel – wären große zusammenhängende intakte Naturräume außerhalb von Siedlungen viel wertvoller für den Erhalt der Biodiversität und der Ökosystemdienstleistungen der Natur. Für Walzer ist klar: „Der Mensch muss weniger Raum einnehmen und seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern, um seine eigenen Lebensgrundlagen und seine Gesundheit zu erhalten.“
Man denke zum Beispiel an die großen Nationalparks, etwa den Bayerischen Wald. Dort ist genug Platz für Tiere wie den Luchs und den Wolf. Und Wanderer erholen sich darin in besonderer Weise. Die Bewegung an der frischen Luft dient in jedem Fall ihrer Gesundheit.
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