Bei rund sechs Prozent aller Frauen, die keine Kinder bekommen können, ist die Gebärmutter das Problem. In einigen Fällen leiden die Patientinnen unter angeborenen Fehlbildungen dieses Organs. Andere wiederum haben von Geburt an gar keinen Uterus oder die Gebärmutter musste ihnen aufgrund von Tumoren oder anderen Erkrankungen entfernt werden. Lange bedeutete dies eine unbehandelbare Unfruchtbarkeit. Doch im Jahr 2014 eröffnete die erfolgreiche Transplantation einer Gebärmutter neue Chancen. Das Spenderorgan einer fremden Frau verhalf einer anderen zur Schwangerschaft. Allerdings setzt eine solche Transplantation voraus, dass ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht, was nur selten der Fall ist. Weltweit wurden bislang erst rund 70 solcher Gebärmuttertransplantationen durchgeführt. Für die Empfängerinnen besteht zudem das Risiko einer Abstoßungsreaktion, weswegen sie immunsuppressive Mittel einnehmen müssen.
Organzucht im Labor
Eine Alternative zur Transplantation eines Spenderorgans wäre das Züchten und Einsetzen eines Ersatzorgans aus den eigenen Zellen der Patientin. “Das minimiert das Risiko einer immunologischen Abstoßung und verringert auch das Risiko einer Krankheitsübertragung”, erklären Renata Magalhaes und ihre Kollegen von der Wake Forest University. Während diese Methode der Gewebe- und Organzucht bei anderen Organen bereits große Fortschritte gemacht hat und erste Ersatzgewebe für die Blase, die Vagina oder die Harnleiter schon beim Menschen eingesetzt wurden, war dies bei der Gebärmutter bislang nicht möglich. Zwar ist es Wissenschaftlern schon gelungen, im Tierversuch kleinere Schäden an der Gebärmutter durch gezüchtetes Ersatzgewebe auszubessern. Das gesamte Organ mit seinem komplexen Aufbau aus kräftiger Muskelschicht und inneren Schleimhäuten wurde jedoch noch nicht im Labor nachgezüchtet und eingepflanzt.
Dies ist Magalhaes und ihrem Team nun gelungen. Für ihre Studie entnahmen die Wissenschaftler zunächst mehreren Kaninchenweibchen Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut und der äußeren Muskelschicht. Diese Zellen brachten sie auf die Innen- und Außenseite eines rund sechs bis acht Zentimeter langem und 2,5 Zentimeter dicken Gerüsts aus einem biologisch abbaubaren Polymer auf. Diese Größe entspricht in etwa der eines der beiden Uterushörner, die Kaninchenweibchen besitzen. Die Zellkulturen wurden einige Wochen lang inkubiert, bis sich ein gebärmutterartiges Organ rund um das weiche Stützgerüst gebildet hatte. Nun folgte die Transplantation: Die Wissenschaftler entnahmen 78 Kaninchenweibchen beide Uterushörner. Ein Teil der Tiere erhielt anschließend ein Ersatz-Gebärmutterhorn aus der Zellkultur, anderen Kaninchen wurde nur das Polymergerüst ohne Zellen eingepflanzt.





