Von THORSTEN DAMBECK
Gemessen an der Lebensspanne eines Menschen wirken sowohl die Sonne als auch unsere Erde wie unveränderliche Konstanten, die schon immer existiert haben. Doch vor etwa fünf Milliarden Jahren war das, was wir heute unser Sonnensystem nennen, nichts weiter als eine Wolke aus interstellarem Gas und Staub: Wasserstoff, etwas Helium, ein wenig Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff und noch kleinere Mengen anderer Elemente des Periodensystems. Dies war der sogenannte primordiale Sonnennebel.
Bald begann dieser, sich unter dem Einfluss der Schwerkraft zu einem immer dichteren Gebilde zusammenzuziehen. Im Zentrum dieses Kollapses bildete sich die Sonne, während das verbleibende Material drumherum zu einer rotierenden Scheibe abflachte. Innerhalb dieser Scheibe begannen die Teilchen durch den Prozess der Akkretion zusammenzukleben und bildeten nach und nach mehrere größere Planeten sowie kleinere Monde, Asteroiden und Kometen. Das Sonnensystem formte sich.
In diesem Prozess entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren auch unser Heimatplanet. Wohl von Beginn an umgab ihn eine Gashülle. Vermutlich bestand diese erste Atmosphäre aus Wasserstoff und Helium, beide Elemente entstammten noch dem solaren Urnebel, in dem sich die Sonne und die Planeten gebildet hatten. Doch die Schwerkraft der Erde war zu schwach, um diese besonders leichten Gase dauerhaft zu binden. Hinzu kamen Einflüsse der damals noch ungestüm aktiven Sonne: Ihr Sonnenwind, das ist ein Strom geladener Partikel, blies gleichsam die erste „Luft“ ins All.
In ihrer Frühzeit war unsere Erde von glühenden Gesteinen bedeckt und die Oberfläche wurde viel häufiger als heute von einschlagenden Asteroiden und Kometen malträtiert. Diese bildeten sozusagen das Baumaterial, dass bei der Entstehung der großen Planeten übrig geblieben war. Die kleinen Himmelskörper brachten auch flüchtige Substanzen mit, die in der Hitze des Einschlags als Gase freigesetzt wurden. Zusätzlich spuckten die Vulkane nicht nur Feuer, sondern auch Gase aus dem Erdinneren – vor allem Wasserdampf, Kohlendioxid, Schwefelverbindungen und Stickstoff. Dieser gasförmige Cocktail sammelte sich um den Planeten und bildete die zweite Atmosphäre, allerdings noch fast ohne Sauerstoff.
Die Uratmosphäre war sehr dicht, heiß und nach heutigen Maßstäben lebensfeindlich. Doch der Grundstein für die weitere Entwicklung war damit gelegt: Ein beträchtlicher Anteil der Urluft war nämlich dampfförmiges Wasser. Als sich die Erdkruste dann stärker abkühlte, trat eine entscheidende Wende ein: Der Dampf bildete Wolken und aus enormen Regenfällen entstanden die ersten Ozeane in den Niederungen der urtümlichen Erdkruste. Im Wasser konnten sich nun große Mengen CO₂ lösen und als Karbonat am Meeresboden ablagern. So wurde ein Großteil des Kohlendioxids aus der Atmosphäre entfernt und langfristig im Kalkstein gebunden. Die Folge: Der CO₂-Gehalt der Luft verringerte sich, was eine weitere Abkühlung und damit eine langfristige Klimastabilisierung ermöglichte. //





