Betroffen sind sämtliche Organe, doch an keinem anderen werden die fatalen Auswirkungen der diversen Qualmbestandteile deutlicher als an der Lunge. An deren Zellen, genauer gesagt, an der darin enthaltenen DNA, hinterlässt der inhalierte Rauch wahrhaft extreme Schäden: Nicht weniger als 30.000 Bestandteile des Erbguts werden durch den Rauch einer einzigen Zigarette in Unordnung gebracht. Das wäre absolut lebensgefährlich, gäbe es nicht in all unseren Zellen hocheffektive Reparaturenzyme, die sich auf der Stelle daran machen, die Defekte wieder zu beheben. Dazu scannen sie fortwährend die richtige Reihenfolge der einzelnen DNA-Bausteine und tauschen beschädigte, zerstörte oder an der falschen Stelle befindliche unverzüglich gegen die korrekten aus.
Dass wir ohne die mehr als 130 bis heute bekannten DNA-Reparaturenzyme nicht leben können, wird besonders eindrucksvoll an den sogenannten Mondscheinkindern deutlich. Bei ihnen funktionieren nur einige wenige dieser unverzichtbaren Helfer nicht einwandfrei, doch das hat bereits fatale Folgen: Die Schäden, die der Ultraviolett-Anteil des Sonnenlichts an ihrer Erbsubstanz anrichtet, werden mangels Reparatur mit jedem Lichtkontakt gravierender. Deshalb dürfen die Kinder tagsüber nur mit Schutzanzügen bekleidet ins Freie, die Fenster der Wohnungen, in denen sie leben, müssen von früh bis spät mit einer UV-abweisenden Folie verklebt sein, und unverhüllt im Freien zu spielen, ist ihnen allenfalls nachts erlaubt. Da es bis heute außer der konsequenten Vermeidung von UV-Strahlen – die auf Dauer praktisch unmöglich ist – keine wirksame Behandlung gibt, sterben die Kranken meist schon im frühen Kindesalter.
Ähnliche Defekte, wie sie das ultraviolette Licht an den Hautzellen der Mondscheinkinder auslöst, verursacht auch der Zigarettenqualm in den Lungen von Rauchern. Auch bei ihnen würden die Schäden ohne intakte Reparaturenzyme unweigerlich zum Tod führen. Doch glücklicherweise sind die DNA-Wächter der Lungenzellen erstaunlich robust und verrichten in der Regel jahrelang ihren Dienst, ohne Ermüdungserscheinungen erkennen zu lassen. Aber auch das bestfunktionierende Ausbesserungs- und Austauschsystem ist irgendwann am Ende. Im Fall der Atemwege ist die Folge, dass die permanent ablaufende Zellteilung und -erneuerung nach und nach immer mehr aus dem Ruder läuft, bis sich aus dem gereizten Gewebe irgendwann Lungenkrebs entwickelt.





