Inzwischen haben Physiker weitere Wechselwirkungen oder Kräfte ausfindig gemacht, nämlich die elektromagnetische Kraft, die ebenfalls auf der ganzen Welt wirkt, und die beiden Kräfte, die sich vor allem in den Atomkernen bemerkbar machen und als starke und schwache Kernkraft unterschieden werden. Das ergibt insgesamt vier Wechselwirkungen, die Physiker gerne aus einer Theorie heraus verstehen möchten. Dazu haben sie ein Standardmodell entwickelt, das Kosmologen als Lambda-CDM bezeichnen. Dabei steht CDM für „Cold Dark Matter“, und der griechische Buchstabe geht auf eine Schrulle von Einstein zurück, der in seine Theorien eine „kosmologische Konstante“ mit diesem Namen einführte, um das Universum mehr oder weniger stabil zu halten.
Lambda-CDM kommt mit der kosmischen Hintergrundstrahlung gut zurecht, kann aber einige Diskrepanzen nicht erklären, die zustande kommen, wenn man die Expansionsrate des Weltalls zu ermitteln versucht. Inzwischen denken viele Physiker, dass sie sich um ein neues Verständnis der alten Gravitation kümmern sollten, die sich sowieso nicht gut in das Standardmodell einfügt und die sich weigert, das Teilchen („Graviton“) zu zeigen, das zu einem Schwerefeld gehören muss.
In jüngster Zeit ist dabei ein unglaublicher Vorschlag aufgetaucht – nämlich der, dass die Raumzeit nicht nur durch Massen, sondern auch durch den Spin beeinflusst wird, der zu den Atomen und anderen Teilchen gehört, die in der Materie zu finden sind. Wie das? Das Drehen des Kleinsten soll die Gestalt des Größten oder gar des Ganzen erklären können? In diesem Fall müsste die Allgemeine Theorie der Relativität um Torsionen und ihre Momente ergänzt werden, was der Franzose Élie Cartan bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angeregt hat.
Nicht die träge Masse allein krümmt dann die Raumzeit und bringt so die Gravitation hervor, sondern das dynamische Drehen seiner Teilchen biegt mit an der gespannten Geometrie der Welt – eine Idee, die nach Beobachtungen verlangt. Die werden auch schon vorbereitet und sind in den nächsten Jahren zu erwarten. Das Schöne ist, dass man kein neues Kaninchen aus dem Hut zaubern muss, sondern einem alten Bekannten mehr Raum bieten kann. Der Spin hält nicht nur Moleküle zusammen, sondern die ganze Welt. Denn was innen, das ist außen, wie Goethe gesagt hat. Kaum zu glauben!





