von EVA TENZER
Eine Schlaftablette genommen, die Schäfchen bis 1000 durchgezählt – und trotzdem will der Schlaf mal wieder nicht kommen? Oder er war kurz da, dauerte aber nicht lange? 45 Prozent der Menschen in Deutschland haben häufig Durchschlafprobleme, 28 Prozent schlafen schlecht ein und 23 Prozent klagen, dass sie zu früh aufwachen und wachliegen, bis der Wecker klingelt.
Diese Zahlen nennt eine Befragung der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2019. Und laut Folgestudie vom Mai 2020 schlafen 10 Prozent in der Corona-Krise schlechter als vorher, jeder Zweite kommt auf höchstens sechs Stunden Schlaf pro Nacht.
Thomas Penzel, wissenschaftlicher Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, sieht das mit Sorge. „Eine durchwachte Nacht hin und wieder ist zwar kein Problem, dauerhaft schlechter Schlaf kann jedoch gravierende Folgen haben: Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen“, erklärt der Mediziner. Schlafmangel wird als Risiko für Demenz diskutiert, und er erhöht nachweislich die Gefahr von Unfällen: Laut ADAC gab es 2019 über 2000 Unfälle mit Verletzten oder Toten durch übermüdete Kraftfahrer. Ausreichender Schlaf hingegen unterstützt das Immunsystem – besonders in der Corona-Zeit ein wichtiger Faktor. Wer gut schläft, ist ausgeglichener, leistungsfähiger und gesünder.
Nun will nicht jeder gleich zum Arzt oder Psychologen, weil es ab und an mit dem Schlafen nicht klappt. Auf der Suche nach Abhilfe stoßen technikaffine Betroffene schnell auf digitale Hilfen. Unter den Stichworten Schlaftracker, Schlaf-App, Lichtwecker, Einschlaf-Programm oder Schlafroboter ist die Bandbreite an Produkten groß, die ein sicheres Hinübergleiten ins Reich der Träume versprechen. Die Entwickler sind kreativ, da das Massenphänomen der Schlafschwierigkeiten einen vielversprechenden Markt darstellt.
Kontrolle durch Schlaftracker
Wer beispielsweise herausfinden will, wie sein Schlaf wirklich ist, ob die gefühlt gute oder schlechte Nachtruhe der Realität entspricht, kann nach einem Schlaftracker greifen. Das Gerät zeichnet Herz- und Atemfrequenz, Schlafzyklen (Tief-, Leicht- und REM-Schlaf), Bewegungen sowie Geräusche (Umgebungslärm, Schnarchen) auf und speichert die Daten. So wird die Entwicklung über längere Zeit sichtbar. Die individuelle Schlafqualität – also Dauer, Rhythmus und Tiefe – werden besser verständlich und auch, welche Umgebungsfaktoren den Schlaf beeinträchtigen. Ein daraus errechneter Index, der Sleep-Score, zeigt, wie der individuelle Schlaf im Vergleich zu einem Durchschnittswert ausfällt, die einzelnen Kategorien erleichtert das Aufspüren von Verbesserungspotenzialen, etwa die ideale Zubettgehzeit.





