Als Ausgangspunkt der Hurtigruten, der legendären Postschiffverbindung entlang der Westküste Norwegens, gehört Bergen zu den meistbesuchten Städten des Landes. Seit 1893 beginnen die Postschiffe ihre Reise nach Norden in Trondheim bzw. Bergen. Das Bild der Handelsstadt Bergen inmitten atemberaubender Landschaft hat schon frühere Norwegen-Reisende beeindruckt. So begeisterte sich der Stettiner Schriftsteller August Moritz 1853: „Der Himmel ist bewölkt, ein kalter Nordwind weht, es gibt kleine Regenschauer, aber unten im Garten blühen die Bäume in reicher Fülle, der Flieder öffnet sich, Tulpen paradieren auf gutgeordneten, wohlbestellten, kreisförmigen Beeten. Wir suchen uns vom Zimmer aus ein wenig zu orientieren. Über den Garten und die Stadt hinaus ankert eine Jacht auf dem mit Packhäusern zahlreich umschlossenen, von vielen Booten befahrenen Fjord, hinter welchem sich 1200 bis 1500 Fuß hohe, nackte Felsenberge erheben. Auf den Abhängen jener Berge erblickt man einige kleine grüne Wiesen, ein Birken-, Pappeln- und Eschenwäldchen, und daneben ein stolzes Landhaus, so zierlich, sauber und weiß angestrichen, als sollte es eine Braut empfangen. Dann kommt ein Vorgebirge, mit Häusern und Speichern besetzt, andere Berge reihen sich dar‧an, und ganz rechts öffnet sich der Hilte-Fjord …, aus welchem so viele Ausmündungen ins Meer gehen, und dessen südlichste Spitze … den Hafen von Bergen bildet.“ Dass es bei der Ankunft des Reisenden „kleine Regenschauer“ gegeben hat, mag als Hinweis auf das rauhe Klima der Stadt dienen, in der es im Jahresdurchschnitt 240 Regentage gibt. Die Bewohner sahen das nicht nur gelassen, sondern sind stolz darauf, verdanken sie dem reichlichen Nass doch, dass die Umgebung ihrer Stadt so grün ist.
Noch größer ist der Stolz der Bürger auf ihre Geschichte. Mag Bergen auch nur die zweitgrößte Stadt Norwegens sein, in der historischen Bedeutung steht die Gründung Olav Kyrres der heutigen Hauptstadt Oslo nicht nach. Dieser Geschichte nachspüren kann man bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Altstadt oder bei einem Besuch im Bergen Museum, das gleichermaßen der Kultur- wie der Naturgeschichte der Region gewidmet ist.
Das Besondere an Bergen ist, dass die Stadt sowohl politisch als auch wirtschaftlich von entscheidender Bedeutung für die Geschichte Nor-wegens gewesen ist. Am Beginn stand die politische Bedeutung: Die über ein Vierteljahrhundert währende Herrschaft Olavs III. war für Norwegen eine Zeit der außen- und innenpolitischen Stabilität. Daher auch der Beiname dieses Königs: „Kyrre“ bedeutet „der Ruhige“, wobei damit weniger oder zumindest nicht vorrangig die Persönlichkeit Olavs charakterisiert werden sollte, sondern eben die während seiner Regierungszeit herrschende politische Ruhe. Nicht einmal der Umstand, dass Olav III. den Thron in seinen ersten drei Regierungsjahren von 1066 bis 1069 mit seinem Bruder Magnus hatte teilen müssen, war zum Auslöser von Streitigkeiten geworden. Maßgeblich zu der Stabilität trug bei, dass es Olav III. gelang, die Thronansprüche des dänischen Königs Sven Estridsson zurückzuweisen; nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Verhandlungsweg. Bergen blieb auch für die folgenden Könige der Hauptsitz. Erst König Håkon V. verlegte die Residenz 1299 nach Oslo. Von 1163 bis 1299 war Bergen zudem Krönungsort gewesen. In dieser Funktion hatte es Trondheim abgelöst, wo im Nidarosdom König Olav der Heilige (1015 –1028) beigesetzt war.




