Warum eigentlich nicht, kann man da nur fragen. Schließlich haben die Bürger ja recht mit ihrer Kompetenzvermutung: Im RKI sitzt der geballte Sachverstand für Infektionskrankheiten. Knapp 1000 Mitarbeiter, ein Drittel davon Wissenschaftler, kümmern sich an zwei Berliner Standorten um nichts anderes als Infektionsforschung, Impfempfehlungen und Pandemievorsorge. Und ein ehrgeiziges Programm mit dem Titel ?RKI 2010? sieht vor, dass das traditionsreiche Haus zu einem zentralen Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit ausgebaut werden soll. Unter dem Titel ? Mission Gesundheit” berichtete Claudia Eberhard-Metzger ausführlich in bild der wissenschaft darüber. ?Öffentliche Gesundheit? ? gehört da nicht Bürgeraufklärung zwingend mit dazu?
Ein anderes Forschungsinstitut, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, hat längst vorgemacht, wie das geht. Seit 25 Jahren gibt es dort den Krebsinformationsdienst, bestehend aus einer täglich erreichbaren Telefon-Hotline mit einheitlicher Nummer (0800/420 30 40), einem E-Mail-Dienst mit Antwortgarantie und einer viel genutzten Website. bild der wissenschaft stellt den bürgerfreundlichen Dienst im kommenden Juli-Heft vor, das ab 21. Juni im Handel ist.
Auch beim DKFZ mussten die Menschen mit ihren ganz persönlichen Fragen zum Thema Krebs erst die falschen Türen einrennen und die Wissenschaftler mit Anrufen nerven, bis eine engagierte Pressesprecherin und ein Krebsforscher (der es später zum Nobelpreis brachte) den Krebsinformationsdienst ins Leben riefen. Allerdings ist das jetzt ein Vierteljahrhundert her.
Für ein bundesweites Seuchentelefon ? es könnte auch einen schöneren Namen wie Infektions-Hotline oder Epidemie-Notruf tragen ? wäre es also höchste Zeit. Und wer weiß: Vielleicht trägt die geballte Schwarmintelligenz der Anrufer bei der nächsten Seuche zur raschen Aufklärung der Ursache bei.





