Ob man nun von Sigmaringen mit seinem Hohenzollernschloß her kommt oder von Ravensburg mit seiner mittelalterlichen Altstadt, schon die Anfahrt nach Mengen an der Donau läßt sich leicht mit attraktiven Besichtigungen verbinden. Im Mengener Stadtteil Ennetach schweift der Blick nur kurz zur Kirche hinüber, ehe er an einem anderen markanten Punkt haften bleibt: dem Römermuseum. Von der alten Scheune, die an diesem Platz stand, ist nur das Dach erhalten, während der Rest mit großen Glasflächen in einen hellen, offen wirkenden Museumsbau verwandelt wurde.
Um 40 n. Chr. entstand auf dem Ennetacher Berg ein römisches Kastell mit etwa 1,4 Hektar Grundfläche. 30 Jahre lang sicherten Legionäre hier die Grenze des Römischen Reiches, ehe sie mit der Vorverlagerung des Limes immer weiterzogen nach Norden. Ennetach wurde zum zivilen Hinterland. Die Siedler, die zuvor wohl vor den Toren des Kastells gewohnt hatten, zogen nun hinunter in die Ebene, genau dorthin, wo sich heute das Römermuseum befindet. Es entstand ein Straßenvicus, eine dorfartige Siedlung, die aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage an wichtigen Römerstraßen auch ohne Legionäre weiter blühte. Wann die Siedlung aufgegeben wurde, werden wohl erst weitere Grabungen ergeben, wahrscheinlich in der Mitte des 3. Jahrhunderts.
Das Museum richtet sich an breite Besucherschichten: Die Familie mit Kindern soll ebenso auf ihre Kosten kommen wie der Experte, denn neben verständlicher und gut aufbereiteter Information wartet das Museum mit zahlreichen Originalfunden auf, die zum Teil erst bei Grabungen unmittelbar im Zusammenhang mit dem Bau des Museums gefunden wurden.
Im Untergeschoß beginnt die Zeitreise mit dem freigelegten Erdprofil, dessen Schichten Rückschlüsse auf die Besiedlung des Ortes ermöglichen: Erkennen lassen sich moderner Straßenbau und mittelalterlicher Ackerhorizont, römische Planierschichten und Straßenschotter – und erst ganz unten, fast drei Meter unter der heutigen Straßenoberfläche, der ursprüngliche Boden. Daß Archäologie nicht nur “Ausgraben” heißt, zeigen mit Fotografien unterlegte Beispiele aus dem Mengener Raum: Geoelektrik, Geomagnetik, Luftbild, Feldbegehung – oft zeigen erst die zusammengeführten Ergebnisse aus mehreren Verfahren, was sich an dem jeweiligen Platz einst wirklich befunden hat. Im ersten Obergeschoß des Museums führen Schautafeln ein in die römische Geschichte Südwestdeutschlands. Daneben richtet sich eine der “Mitmach”-Stationen an die jüngeren Besucher. Das Marschgepäck eines römischen Fußsoldaten darf nicht nur angeschaut, sondern auch ausgepackt und angefaßt werden.
Fünf Komplexe sollen dem Besucher in der Folge das römische Leben näher bringen. Dem dienen eindrückliche Zitate, kurze und leicht faßbare Informationstexte, Originalfunde und sechs Hörtexte mit Alltagsszenen. Im ersten Komplex – Straßen, Handel, Reisen – erfährt man etwa, daß Falschgeld auch im Römischen Reich ein Problem war: “Wir bestimmen, daß das Eigentum von Personen, die Münzen nachgegossen haben, zugunsten des fiscus eingezogen werde”, heißt es im Codex Theodosianus. Spielsteine aus Stein und Ton zeugen vom Freizeitvergnügen der Römer, eine Knochenzange aus Bronze zum Entfernen von Splittern oder Pfeilspitzen vom kriegerischen Leben der Legionäre.





