1098 ließ sich eine Gruppe reformwilliger Mönche im burgundischen Cîteaux (bei Dijon) nieder, um dort in wortgetreuer Befolgung der Benediktsregel ein Leben asketischer Strenge zu führen (siehe DAMALS 1/97. Die Gründung erhielt den betont schlichten, aber zugleich programmatischen Namen Novum Monasterium, “Neukloster”, und erfreute sich von Beginn an des Wohlwollens hochgestellter Gönner wie des Herzogs von Burgund und des Bischofs von Châlons-sur-Saône. Dennoch sah sich die junge Gemeinschaft schon bald einer existenzbedrohenden Belastungsprobe ausgesetzt. Die monastischen Reformer hatten, angeführt von Abt Robert, ihr Heimatkloster Molesme verlassen und damit – ausgerechnet! – gegen das benediktinische Gebot der Ortsbeständigkeit, der stabilitas loci, verstoßen. Auf päpstliche Weisung mußte Robert in seine frühere Abtei zurückkehren; ihm folgte mehr als die Hälfte der Mönche von Cîteaux.
Die verbleibende Minderheit unter ihrem neuen Leiter Alberich hatte mit wirtschaftlichen und disziplinären Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Erst unter dem dritten Abt, dem Engländer Stephan Harding, setzte jener beispiellose Aufschwung ein, der Cîteaux zur Keimzelle des mächtigen Zisterzienserordens werden ließ. Schon den Zeitgenossen galt diese Entwicklung vor allem als das persönliche Verdienst Bernhards von Clairvaux; in ihm hat man folgerichtig – neben Robert von Molesme – den “zweiten Gründer” des Ordens gesehen. 1090 in Fontaines-lès-Dijon geboren, entstammte Bernhard einem burgundischen Adelsgeschlecht. Seit seinem achten Lebensjahr besuchte er die renommierte Stiftsschule zu Châtil-lon-sur-Seine, war also offenbar schon früh für eine geistliche Laufbahn ausersehen. Der Tod der Mutter (um 1106/07) scheint ihn in seiner religiösen Entwicklung entscheidend geprägt zu haben. 1112 trat er als Novize ins Kloster Cîteaux ein, wobei er nicht weniger als 30 Gefährten, darunter vier seiner Brüder, zu dem gleichen Schritt veranlaßte: ein früher Beleg für Bernhards charismatische Ausstrahlung, aber auch für die Anziehungskraft des zisterziensischen Reformideals.
Ein Jahr später empfing Bernhard die Mönchsweihe, und bereits 1115 wurde er als Abt eines zwölfköpfigen Konvents ausgesandt, um in der Diözese Langres das Kloster Clairvaux zu gründen, nach La Ferté und Pontigny die dritte Tochter von Cîteaux. Als Abt von Clairvaux trug Bernhard maßgeblich zur weiteren Ausbreitung des jungen Ordens bei. Bis zu seinem Tode nahm er rund 70 Neugründungen vor; hinzu kamen fast 100 bereits bestehende Klöster, die er durch ausgedehnte Werbefeldzüge für die zisterziensische Lebensweise gewinnen konnte. Die Propaganda für den eigenen Orden ging einher mit Angriffen auf das cluniazensische Mönchtum, das gerade im burgundischen Raum lange Zeit wegen seines Reformeifers in hohem Ansehen gestanden hatte. Nicht zufällig lagen Cîteaux und das 909/910 gegründete Cluny nur wenige Tagesreisen voneinander entfernt. Die geographische Nähe zweier so bedeutender Reformzentren steigerte das Bedürfnis nach gegenseitiger Abgrenzung. In zisterziensischer Sicht war Cluny der Inbegriff all dessen, was dem Postulat der “monastischen Reinheit” widersprach. Die prunkvollen Meßgewänder, die kostbaren liturgischen Gefäße, die ausladende Kirchenarchitektur – nichts davon fand Gnade vor den Augen der Puristen, die sich allein am unverfälschten Wortlaut der Benediktsregel orientieren wollten.





