Schonungslos offen und ohne Rücksicht auf die persönlichen Befindlichkeiten der beteiligten Akteure beschreibt Maria Beig ein Leben, das im Jahr 1920 als siebtes von mehr als einem Dutzend Kindern auf einem oberschwäbischen Bauernhof begann – ihr eigenes. Nüchtern, fast schon spröde, doch dadurch umso ergreifender berichtet sie von diesem Schicksal. Gemeinsam mit ihr durchläuft der Leser eine Kindheit, die von der Ablehnung des gelegentlich gewalttätigen Vaters und einer zumeist sehr fürsorglichen Mutter geprägt wurde. Im Anschluss begleitet die Autorin die in der Nazizeit heranwachsende Maria während verschiedener Phasen ihrer Entwicklung, ohne dabei melancholisch zu werden. Durch von subtilem Humor geprägte Episoden gewährt sie einen Einblick in ihren Alltag, einen Alltag, der keineswegs typisch für damalige Verhältnisse war. Das kluge Bauernmädchen erlernte mit der Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin einen Beruf, der ihr ein weitgehend unabhängiges und freies Leben bescherte – und gleichzeitig einen immens hohen Erwartungsdruck der Eltern. Wie ein Marienbild fand ein Foto der erfolgreichen Tochter den Weg an die Küchenwand. Eine Glorifizierung, der Maria nicht standhalten konnte. Wechselnde Anstellungen in unterschiedlichen Städten ließen sie den Krieg fernab der Heimat nur am Rande erleben – zumindest findet er in den prägnanten Erzählungen Maria Beigs wenig Raum. Weitreichende Folgen brachte dann jedoch im Jahr 1944 die erste große Liebe mit sich – ein Kind. Trotzdem schaffte es die junge Frau als unverheiratete Mutter in Stellung zu bleiben und ihr Leben zu meistern. Das Bild in der Küche verlor jedoch seinen Platz, genauso wie die Tochter die letzte Achtung ihres Vaters.
Alles hätte immer wieder anders kommen können. Doch weil es eben genau das nicht tat, entstand über die Jahre hinweg und im Laufe des Buches eine durchaus emanzipierte Persönlichkeit, der nur eines erst im hohen Alter gelingt: Das eigene Ich zuzulassen und auch zu akzeptieren. Ein Erfolg, der seinen Preis hatte. Viele Zeitgenossen verunglimpften die Schriftstellerin aufgrund der offenen Schreibweise in ihren Werken über das Leben auf dem Land öffentlich als Nestbeschmutzerin. Nichts desto weniger ist es letztendlich der Prozess des Schreibens und der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, der der Autorin zu Erfüllung und innerem Gleichgewicht verhilft.
Rezension: Heinz, Simone





