Nun könnte man sagen, es wäre besser, wenn es die Pseudowissenschaft gar nicht gäbe. Aber ich denke, sie ist nicht nur ein notwendiges Übel, sondern auch eine Herausforderung, an der die Wissenschaft wächst. Während der Pandemie haben wir zum Beispiel gesehen, wie Pseudowissenschaft Wissenschaftler dazu anhält, ihre Kommunikation zu verbessern. Und ein Blick auf die Wissenschaftsgeschichte zeigt, dass die Bekämpfung der Pseudowissenschaft wiederholt zur Verbesserung wissenschaftlicher Methoden beigetragen hat.
So wurden Einzelblindstudien – in denen Patienten nicht wissen, ob sie behandelt werden – erstmals eingesetzt, um den „animalischen Magnetismus“ als Pseudowissenschaft zu entlarven. Die Idee dazu verbreitete sich im 18. Jahrhundert, maßgeblich durch den deutschen Arzt Franz Anton Mesmer. Er behauptete, dass das Universum von einem magnetischen Fluidum durchdrungen sei, das auch durch den menschlichen Körper ströme. Elektrische und magnetische Kräfte waren damals zwar Wissenschaftlern bekannt, nicht aber der breiten Bevölkerung. Mesmer zufolge hatte der menschliche Körper einen Nordpol am Kopf, durch den das universale Fluidum von den Sternen eindrang, und einen Südpol an den Füßen, wodurch der Körper mit dem Magnetfeld der Erde verbunden war. Krankheiten entstünden, wenn der Fluss ins Stocken geriet. Mesmer entwickelte Behandlungsmethoden, die Hypnose und verschiedene Geräte einsetzten, um die angebliche Blockade zu beheben.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern, unter anderem Benjamin Franklin und Antoine Lavoisier, testeten Mesmers Behauptungen, indem sie einige Patienten ohne deren Wissen nach seiner Methode behandelten. Anderen Patienten, denen sie die Augen verbunden hatten, sagten sie, dass eine Behandlung stattfände, was dann aber nicht geschah. Auf diese Weise stellten die Wissenschaftler fest, dass Mesmers Behandlungsmethoden keinen Einfluss auf das Wohlergehen der Patienten hatten – der Glaube an eine erfolgte Behandlung jedoch schon.
Die ersten Doppelblindstudien
Zum nächsten Fortschritt kam es im 19. Jahrhundert bei der Studie zu einem weiteren Kandidaten der Pseudowissenschaft, der Homöopathie. Diese Lehre basiert wesentlich auf der Annahme, dass das Verdünnen einer Substanz deren Wirksamkeit erhöht. Die „Vereinigung wahrheitsliebender Männer“ in Nürnberg führte 1835 einen Versuch durch, um eine Behauptung des Homöopathen Johann Jacob Reuter zu testen. Reuter zufolge führte das Trinken einer vielfach verdünnten Kochsalzlösung dazu, dass man etwas „Ungewöhnliches“ fühlte.
Unter der Leitung von Friedrich Wilhelm von Hoven wurden homöopathische Kochsalzlösung und Wasser in je 50 Fläschchen zufällig auf Freiwillige verteilt. Die Ergebnisse zeigten keinen relevanten Unterschied zwischen den Untergruppen. Nun war die gesamte Studiengruppe damals sehr klein, und die Ergebnisse waren daher nicht sehr aussagekräftig, aber mit diesem Versuch gingen erstmals Doppelblindstudien – in denen weder Patienten noch Ärzte wissen, wer behandelt wird – in das wissenschaftliche Repertoire ein.





