Die Bilder, die im kalten November 1947 um die Welt gingen, entzückten nicht nur die Menschen in Großbritannien. Die britische Thronfolgerin, die 21-jährige Prinzessin Elisabeth, heiratete in der Londoner Westminster-Abtei den 26 Jahre alten Marineoffizier Philip Mountbatten, den die Zeitungen ihren Lesern als Prinzen von Griechenland vorstellten. Das offizielle Hochzeitsfoto, Hunderte Male gedruckt und für Royalisten ein begehrtes Souvenir, zeigt das Brautpaar im Thronsaal des Buckingham-Palasts, umgeben von Brautjungfern und Pagen.
Das Land jubelte. Vor über einem halben Jahrhundert hatte es zuletzt die Heirat eines Thronerben erlebt. Hochzeiten im weiten Umfeld der königlichen Familie waren und sind immer po‧pulär, dazu angetan, die britische Öffentlichkeit zu faszinieren. Nichts war besser geeignet, die schwierigen Zeitumstände so kurz nach dem Krieg wenigstens für ein paar Stunden einfach zu vergessen. Wer wollte sich nicht freuen über das glückliche Ende einer märchenhaft anmutenden Romanze? Die Menschen erlebten am 20. November 1947, so sah es der berühmte Kriegspremier Winston Churchill, der nun im Parlament die Opposition anführte, „einen Hauch von Farbe auf dem schweren Weg, der noch vor uns liegt“.
Dass die Bevölkerung Großbritanniens nach dem Sieg über Hitler-Deutschland schwere Zeiten durchmachte – wer wollte das bestreiten? Das Ende des Zweiten Weltkriegs lag gerade einmal zweieinhalb Jahre zurück. Die Zerstörungen in den großen Städten, der Mangel an selbstverständlichen Dingen des Alltags, die rigorose Rationierung von Lebensmitteln und Kleidung waren allgegenwärtig. Der extrem kalte Winter 1946/47 hatte den Menschen Entbehrungen abverlangt, wie man sie in Friedenszeiten bis dahin nicht gekannt hatte. Die Industrieproduktion nahm ab, die Arbeitslosigkeit wuchs. Zur wirtschaftlichen Krise gesellte sich im Sommer 1947 eine finanzielle Krise, die die Bewirtschaftung von Devisen nach sich zog. Mehr noch: Die Entlassung des indischen Kolonialreichs in die Unabhängigkeit im August 1947 läutete den Zerfall des Empire ein.
Not, Entmutigung und Niedergang an allen Ecken und Enden. Da kam die Hochzeit der Thronfolgerin der Labour-Regierung unter Clement Attlee gerade recht: ein Lichtstrahl in düsterer Zeit, vielleicht ein Hinweis darauf, dass das demora‧lisierte Land ungeachtet aller Widrigkeiten eine Zukunft hatte. Die Regierung spendierte großzügig 200 Kleidermarken für das Hochzeitskleid. Es sei, so der Mode‧designer Norman Hartnell, ein Symbol für die Neugeburt des Landes. Die verwendete Seide, schrieben die Zeitungen, sei in China produziert worden, nicht etwa in Japan oder Italien, den Gegnern im Krieg.
Doch ganz übersehen ließ sich nicht, dass die Freude über die Hochzeit der Prinzessin nicht von allen und überall uneingeschränkt geteilt wurde. Am Hof in London und in konservativen Kreisen wurde seit der Bekanntgabe der Verlobung im Juli 1947 gemäkelt, vor allem hörte man kaum verhüllte Kritik am Bräutigam…




