Das Gespräch führte OLIVER ABRAHAM
Herr Witte, wie steht es um die Moore in Deutschland?
Heute gibt es in Deutschland noch rund 1,8 bis 1,9 Millionen Hektar Moorfläche, ursprünglich lag die Zahl aber deutlich höher. Wie viel es einst waren, kann man nicht genau sagen, da entsprechende, flächendeckende Daten fehlen. Ein Großteil der landwirtschaftlich genutzten Moorfläche ist Grünland, ein anderer Teil wird – zum Beispiel für gärtnerische Kultursubstrate – abgebaut. Letzteres geschieht auf zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen und mit der Verpflichtung anschließender Wiedervernässung. Rund 15 Prozent sind forstwirtschaftlich genutzt, und auf kleinen Restflächen wird noch Badetorf für Heilbäder abgebaut.
Früher wurde getrockneter Torf auch als Brennstoff genutzt. Wie viel intaktes Moor ist heute noch übrig?
In Deutschland gibt es noch rund 100.000 Hektar Moore, die halbwegs intakt und noch als Moorökosysteme erkennbar sind. Die größten Hochmoorgebiete befinden sich in Niedersachsen, die meisten Niedermoore gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Intakt im Sinne von wachsend und torfaufbauend sind allerdings nur rund ein bis zwei Prozent, also 20.000 bis 40.000 Hektar aller Moorflächen in Deutschland.
Wo befindet sich das größte, halbwegs intakte Hochmoor in Deutschland?
Es liegt in Baden-Württemberg und ist das Wurzacher Ried mit rund 1800 Hektar Fläche, ein Drittel davon ist mehr oder weniger unberührt. Zu den größten zusammenhängenden Hochmoorflächen Westeuropas zählt – oder besser: zählte – das Bourtanger Moor im niedersächsisch-niederländischen Grenzgebiet mit ehemals rund 200.000 Hektar. Heute ist es allerdings durch Nutzung und Entwässerung stark beeinträchtigt.
Wie groß sind die Flächen einst bewirtschafteter Moore, die man renaturieren könnte?
Genaue Zahlen für Gesamtdeutschland werden nicht erhoben. Aber wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Moorflächen renaturierbar ist, was aus Klimaschutzgründen auch dringend notwendig ist. Dazu wäre zunächst einmal die Wiedervernässung der Flächen und eine Revitalisierung als Moorökosystem nötig. Die Renaturierung im eigentlichen Sinne übernimmt dann die Natur selbst, die wir mit Pflegemaßnahmen begleiten.





