Wenn man erfährt, dass Reibungselektrizität erstmals um 550 v. Chr. von Thales von Milet beobachtet worden ist, als er Stoff an Bernstein rieb, mit dessen griechischem Namen das Elektron und die Elektronik getauft worden sind, könnte man denken, dass die heutige Physik bei der Teppichschlurferei nichts mehr zu erforschen habe und lässig im Detail erklären könne, was dabei vor sich geht. Aber auch wenn man es kaum glauben kann – tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Noch immer bemühen sich Elektrochemiker und Experten für Oberflächentechnologien um ein Verständnis der oftmals ärgerlichen Kontaktelektrizität, man ebenfalls studieren kann, indem man etwa einen Luftballon an seinen Haaren reibt, bis die Haare elektrisiert vom Kopf abstehen.
Im 18. Jahrhundert haben Forscher versucht, Kontaktreihen zu finden, um zu verstehen, welche Oberflächen sich bei der Tuchfühlung positiv aufladen und welche negativ werden. Dabei kamen sie zwar nicht so recht voran, sie lernten aber zu ihrer Überraschung, dass die statische Elektrizität mehr als ein Jahrmarktsgag oder ein Ärgernis im Waschsalon war und wahrscheinlich sogar eine Voraussetzung für die Entstehung des Lebens auf der Erde geliefert hat. Alles begann mit vulkanischen Eruptionen, die elektrisch geladene Teilchen in die Welt setzten, was wiederum zu Blitzen führen konnte, mit deren Hilfe die ersten Biomoleküle gebraut wurden.
Wer Kontaktelektrizität verstehen will, hat es mit einem Prozess zu tun, der nicht im Gleichgewicht ist und von quantenmechanischen Abläufen begleitet wird, mit denen chemische Bindungen zerstört werden und bei denen Elektronen tunneln müssen. An den sich aufladenden Oberflächen entstehen dabei Defekte im Nanobereich, die kaum zu charakterisieren sind.
Allen diesen Schwierigkeiten zum Trotz haben Physiker aus Deutschland und Österreich sich um den triboelektrischen Effekt gekümmert und herausgefunden, dass die Frage, ob ein Stoff dabei positiv oder negativ geladen wird, nicht bloß von seiner Beschaffenheit abhängt. Stattdessen kommt es auch darauf an, mit welchen anderen Stoffen er in seiner Vergangenheit bereits in Kontakt gekommen ist. Die im Experiment eingesetzten Proben „erinnern“ sich daran, wie oft sie schon mit anderen Tuchfühlung hatten. Wenn sich zwei Proben berühren, nimmt diejenige mit mehr Vorkontakten die negative Ladung an, woraus man schließen möchte, dass die durch Reibung bedingte Rauheit der Oberfläche es ermöglicht, die Gedächtnisfunktion zu übernehmen.
Der Weg zur Erkenntnis führt über den (Teppich-)Boden der Tatsachen und lässt einem die Haare zu Berge stehen.





