Aus der Perspektive eines humanistischen Gelehrten beschrieb und beurteilte Dernschwam nicht nur die Verfassung des Osmanischen Reiches, sondern auch das Leben der einfachen Bevölkerung. Für ein Schmunzeln sorgen seine Auskünfte über die türkische Kochkunst, der er offensichtlich nicht viel abgewinnen konnte. Außerdem notierte Dernschwam, der sich seit seiner Jugend für die Antike begeisterte, eine Vielzahl an Informationen über römische und griechische Inschriften sowie antike Gebäude, darunter das Monumentum Ancyranum des Kaiser Augustus.
Die Herausgeber liefern mit dem vorliegenden Band eine kommentierte Übertragung des Reiseberichts ins moderne Hochdeutsch. Eine knapp gehaltene Einführung gibt Informationen zu Biographie und Reisemotiven und stellt die Quelle vor. Ein epigraphischer Anhang von Patrick Breternitz und Werner Eck widmet sich den antiken Inschriften.
Zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit Dernschwams Reisebericht ist die Übertragung nicht ausreichend, sie bietet jedoch mit zusätzlichen Erläuterungen unter anderem zu historischen Personen, Orten und Gebräuchen einem breiteren Publikum Zugang zu dieser spannenden Quelle der Begegnung von christlichen Reisenden mit dem Osmanischen Reich in der frühen Neuzeit. Faksimilierte Abbildungen und Textausschnitte geben darüber hinaus Einblicke in die Urschrift. Geschmälert wird das Lesevergnügen aber leider durch orthographische Mängel und Flüchtigkeitsfehler.
Rezension: Anna Joisten




