Mit dem Zweiten sieht man besser, dachten sich amerikanische Astronomen und bauten auf dem 3190 Meter hohen Mount Graham in Arizona ein einzigartiges Doppelfernrohr. Am 16. Oktober öffnet das so genannte Large Binocular Telescope (LBT) sein erstes Auge. Im Endausbau wird es das größte Einzelteleskop der Welt sein. Entstanden ist es unter der Leitung der University of Tucson, Arizona. Zu einem Viertel haben sich auch deutsche Institute beteiligt. Damit sichern sich hiesige Astronomen denselben Anteil an Beobachtungszeit.
Das LBT hat zwei Sammelspiegel mit je 8,4 Meter Durchmesser, die in einer gemeinsamen Montierung sitzen. Zusammen haben sie die Lichtsammelfläche eines 12-Meter-Teleskops und das Auflösungsvermögen eines 22,8-Meter-Spiegels. Damit könnte man eine Kerze in etwa 2,5 Millionen Kilometer Entfernung nachweisen – dem sechsfachen Abstand Erde-Mond.
23-Meter-Giganten lassen sich derzeit noch nicht realisieren. „ Wir sehen das LBT auch als Übergangsinstrument zur nächsten Generation von Riesenteleskopen, die Spiegel zwischen 30 und 100 Meter haben werden”, erklärt Thomas Henning, Direktor am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, dem größten Partner auf deutscher Seite.
Das 120 Millionen Dollar teure Observatorium wird zunächst mit nur einem Spiegel arbeiten, bis Ende kommenden Jahres der zweite Reflektor installiert wird. Ende 2006 erreicht der Riesenfeldstecher seine volle Leistungsstärke, wenn das am Heidelberger MPI konstruierte Instrument Linc eingebaut wird. Dieses Gerät führt die von den beiden Spiegeln kommenden Strahlengänge mit größter Präzision in einem Brennpunkt zusammen und überlagert sie zu einem „Interferogramm”. Erst dieser Schritt ermöglicht es, Bilder mit einer Schärfe aufzunehmen, die das Hubble-Weltraumteleskop noch in den Schatten stellen kann.
Diese Technik praktizieren Astronomen am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile bereits seit drei Jahren. Wegen seiner eigenwilligen Konstruktion wird das LBT aber über ein etwa zehnmal so großes Bildfeld verfügen wie sein Pendant in Chile. Damit wollen die Astronomen die Strukturen der fernsten Galaxien studieren, um beispielsweise herauszufinden, welche Rolle die Dunkle Materie im frühen Universum gespielt hat. Das wohl ehrgeizigste Ziel ist es, Planeten zu studieren, die um ferne Sterne kreisen. Thomas Henning hofft darüber hinaus auf Überraschungen: „Neuartige Teleskope eröffnen immer wieder ungeahnte Möglichkeiten.”





