Eigentlich waren Perikles und Aspasia ein Traumpaar. Denn es gab unter den führenden Politikern im antiken Athen mutmaßlich nur wenige, die ihrer Ehefrau oder ihrer Lebensgefährtin in gleicher Weise herzlich zugetan waren, wie es bei Perikles der Fall war. „In inniger Liebe“ hing er an Aspasia, weiß der Biograph Plutarch zu berichten, und er liefert auch ein gewichtiges Argument für diese Einschätzung: „Man erzählt, er habe sie jeden Tag, wenn er das Haus verließ und wenn er vom Markt heimkehrte, zärtlich geküsst.“
Ein derartiger Liebesbeweis muss in Kreisen der athenischen Eliten so ungewöhnlich gewesen sein, dass man ihn besonders hervorhob. Tatsächlich wählten prominente Athener auch in den Zeiten der entwickelten Demokratie des 5. Jahrhunderts v. Chr. ihre Partnerinnen immer noch nach alten aristokratischen Grundsätzen. Wichtiger als Harmonie und Zuneigung waren politische Opportunität und dynastische Erwägungen. Insofern war der in Aspasia verliebte Perikles auf der Bühne der Politik fast ein Exot. Nicht ganz so deutlich sind die Anzeichen, dass Aspasia ihrerseits von ähnlichen Empfindungen wie Perikles geleitet wurde. Aber das kann auch an der antiken Überlieferung liegen, die an dem Gefühlsleben der Aspasia wenig Interesse hatte.
Trotz ihrer offenbar vorbildlichen Beziehung war es Perikles und Aspasia nicht vergönnt, das partnerschaftliche Glück ungestört zu genießen. Dafür war Perikles zu berühmt und Aspasia zu unkonventionell. Beides hatte zur Folge, dass die athenische Öffentlichkeit das Paar mit Argusaugen verfolgte und dabei nicht vor Diffamierungen und Verunglimpfungen zurückschreckte. So waren die knapp 20 Jahre, die Perikles und Aspasia miteinander verbrachten, auch von Aufregungen, Skandalen und sogar Prozessen geprägt.
Kennengelernt hatte Perikles die attraktive Frau zu Beginn der 40er Jahre des 5. Jahrhunderts v. Chr. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits eine feste Größe in der athenischen Politik. Aus der traditionsreichen Aristokratenfamilie der Alkmaioniden stammend, hatte er sich als eine der treibenden Kräfte der demokratischen Richtung profiliert. Diese volksfreundliche Haltung hatte ihm die heftige Gegnerschaft adliger Kreise eingebracht. Aspasia dagegen war keine einheimische Athenerin, sie stammte aus Milet an der Westküste Kleinasiens. Milet war zwar eine alte und dazu auch sehr bedeutende griechische Kolonialstadt, doch galt As‧pasia nach den strengen Regeln, mit denen die Griechen die Frage des Bürgerrechts zu handhaben pflegten, als Fremde. Gerade Perikles war es gewesen, der kurz vor der Ankunft der Aspasia in Athen ein Gesetz veranlasst hatte, wonach nur diejenigen in den Genuss des athenischen Bürgerrechts kommen sollten, deren beide Elternteile Athener waren.
Aus welchen Gründen Aspasia, die damals etwa 20 Jahre alt gewesen sein dürfte, der Heimat den Rücken kehrte und wie sie mit Perikles zusammenkam, lässt sich aus den Quellen nicht seriös rekonstruieren. Fakt ist, dass Perikles zu jener Zeit ein verheirateter Mann war. Seine Ehefrau war eine Verwandte, mit der er zwei Söhne hatte. Wie Plutarch lapidar mitteilt, waren sie nicht glücklich miteinander, und Perikles überließ sie großzügig einem anderen Mann. Wahrscheinlich war der wirkliche Grund der Trennung das Erscheinen der Aspasia, die dem um gut 25 Jahre älteren Perikles den Kopf verdreht haben dürfte.





