Möglicherweise ist für Parkinson ein handfester und ausgesprochen trennscharfer Bio-Marker gefunden, also eine Substanz, die zuverlässig anzeigt, ob jemand erkrankt ist und in welchem Stadium der Krankheit er sich befindet. Wissenschaftlerteams aus Tübingen und Basel haben im Blut und Hirnwasser Proteine identifiziert, die äußerst passgenau das Ausmaß an Schäden bestimmter Nervenzellen widerspiegeln. Es handelt sich um sogenannte leichte Neurofilamente, deren Konzentration offenbar über den Verlauf einer neurodegenerativen Erkrankung und die Wirkung einer Behandlung stimmig Auskunft geben kann.
Neurofilamente stammen aus dem Innern von Nervenzellen, sind Teile des Zellskeletts und verleihen diesem Form und Stabilität. Sie werden freigesetzt, wenn Nervenzellen beschädigt sind und zugrunde gehen – wie es bei Parkinson oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen der Fall sein kann. Von der Struktur her fadenförmige Proteine, lassen sie sich dann in der Gehirnflüssigkeit und in geringerer Konzentration im Blut nachweisen. Bereits lange vor Auftreten der ersten Symptome finden sich die freigesetzten Proteinrelikte des Zellabbaus zum Beispiel in der Rückenmarksflüssigkeit Erkrankter.
Die Beobachtung, dass besagte Neurofilamente von geschädigten Nervenzellen freigesetzt werden und dies schon früh im Krankheitsverlauf geschieht, nahmen Mathias Jucker, Leiter des Bereichs Zellbiologie neurologischer Erkrankungen am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen, und Forscherkollegen zum Anlass, die Konzentration der Neurofilamente im Blut und Hirnwasser zu bestimmen und genauer unter die Lupe zu nehmen. Fände sich eine Entsprechung zwischen der Menge freigesetzter Neurofilamente zu einem bestimmten Zeitpunkt X in der Phase vor der eigentlichen Diagnose der Parkinson-Erkrankung und auch darüber hinaus, wäre ein belastbarer Biomarker samt Test gefunden – nicht unbedeutend mit Blick auf die Entwicklung neuer Therapien.
Messungen an Mäusen und Menschen
Die Forscher untersuchten nun Mäuse, die ein typisches Merkmal der Parkinson-Erkrankung aufwiesen: eine Anhäufung des Proteins Alpha-Synuklein (die Versuchsreihe lief parallel auch für die Alzheimer’sche Erkrankung; dort sammeln sich in erkrankten Gehirnen die Proteine Tau oder Beta-Amyloid an). Verklumpungen aus dem Protein Alpha-Synuklein – auch Aggregate oder Ablagerungen genannt – werden bereits seit einiger Zeit mit Schäden an Nervenzellen in Verbindung gebracht. Insbesondere vermögen diese Protein-Aggregate über Synapsen in benachbarte Nervenzellen zu wandern, wo sie dann wiederum eine Verklumpung hervorrufen. Auf diese Weise breiten sich die Aggregate über das Gehirn aus.
Bei den Labornagern mit den entsprechenden Verklumpungen im Gehirn, aber auch an Proben von erkrankten Menschen haben die Forscher nun die Konzentration der Neurofilamente im Blut und in der Gehirnflüssigkeit gemessen. Jedoch nicht nur das: “Wir haben die Bio-Proben von Patienten mit Parkinson, Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen auch darüber hinaus einer umfassenden Analyse unterzogen”, sagt Mehtap Bacioglu, Projektleiterin in Tübingen.





