Allein in Deutschland sind mehr als 1,3 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen, Tendenz steigend. Typisches Kennzeichen der Erkrankung ist die Ansammlung von fehlgefalteten Amyloid- und Tau-Proteinen im Gehirn, durch die dann nach und nach Hirnzellen zugrunde gehen. Meist beginnt dieser Abbau der Hirnsubstanz schleichend und für die Betroffenen unbemerkt. Als Folge wird die Diagnose oft erst dann gestellt, wenn sich erste Ausfälle bemerkbar machen, beispielsweise beim Gedächtnis oder in der Bewältigung des Alltags. Diagnostiziert wird Alzheimer in der Regel durch eine Kombination von Gedächtnistests, Befragung und mentalen Aufgaben, wie dem Zeichnen eines Uhrenzifferblatts. Ergänzt wird dies durch bildgebende Verfahren mittels Hirnscanner. Diese Diagnosemethoden greifen aber erst dann, wenn schon subjektiv bemerkbare Ausfälle vorliegen – der Abbau der Hirnsubstanz ist dann schon weit fortgeschritten.
Fahndung nach objektiven Frühzeichen der Demenz
“Die Tests, die wir zurzeit zur Erkennung von Alzheimer einsetzen, verpassen die ersten 20 Jahre der Krankheit”, erklärt Erstautor George Stothart von der University of Bath. “Dadurch verpassen wir enorme Möglichkeiten, den Patienten schon früher zu helfen.” Denn bisher gibt es kein Heilmittel gegen die Demenzerkrankung und auch keine Wirkstoffe oder Therapien, die die Schäden im Gehirn rückgängig machen können. Die bisherigen Wirkstoffe können das Fortschreiten von Alzheimer allenfalls bremsen. Je früher solche Behandlungen einsetzen, desto größer ist daher die Chance für die Betroffenen, die schwersten Folgen noch möglichst lange hinauszuzögern. Wissenschaftler arbeiten daher vor allem an Diagnosemethoden, die nicht von den subjektiven Erfahrungen der Patienten abhängig sind, sondern die Frühzeichen der Krankheit objektiv und unabhängig von schon spürbaren Gedächtnisausfällen detektieren können. In der Erprobung sind dafür unter anderem Bluttests, die nach bestimmten Biomarkern des Hirnabbaus fahnden.
Eine weitere Diagnose-Möglichkeit haben nun Stothart und seine Kollegen entwickelt. Ihre “Fastball” getaufte Methode erfordert nur wenig aktive Mitwirkung der Patienten und lässt sich mit geringem Aufwand selbst in einer normalen Praxis oder sogar zuhause bei den Patienten anwenden. Benötigt wird dafür nur ein Laptop oder anderer Rechner und eine Elektrodenkappe zur Ableitung der Hirnströme. Den Betroffenen werden in drei Testdurchläufen Bilder von Alltagsobjekten gezeigt, einige wiederholen sich, andere sind neu. Damit die Aufmerksamkeit der Testpersonen nicht abschweift, werden sie gebeten eine Taste zu drücken, sobald sich ein Markierungskreuz in der Bildmitte rot umfärbt. “Die Testperson muss den Test nicht verstehen oder viel tun”, erklärt Stothart. “Allein durch die Art und Weise, wie ihr Gehirn auf die Bilder reagiert können wir schon viel darüber lernen, was ihr Gehirn leisten kann oder aber nicht mehr.” Das ganze Verfahren dauert nur wenige Minuten.





