Lokale Ausbrüche des Ebolavirus sind in Zentralafrika zwar nicht häufig, kommen aber immer wieder mal vor. Der aktuelle Ausbruch sorgt jedoch aufgrund der rasanten Zunahme der Fälle für besondere Besorgnis. Die ersten Verdachtsfälle wurden am 5. Mai 2026 aus der Ituri-Provinz im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Am 14. Mai bestätigten Analysen von Patientenproben in einem Labor in Kinshasa für 13 dieser Fälle eine Ebola-Erkrankung. Verursacher ist das Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV), eines von drei Viren, die größere Ausbrüche von Ebola verursachen können.

Was ist der aktuelle Stand des Ebola-Ausbruchs?
Inzwischen hat sich die Zahl der an Ebola Erkrankten drastisch erhöht. Laut WHO wurden bis 18. Mai 2026 bereits 516 potenzielle Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo gemeldet, außerdem gibt es im Nordosten des Kongo zahlreiche weitere Krankheitsausbrüche, die noch nicht genauer diagnostiziert sind, wie die WHO mitteilt.
„Die zunehmende Zahl von Verdachtsfällen und Cluster von Todesfällen in der Provinz Ituri deuten alle auf einen weit größeren Ausbruch hin als bisher detektiert und berichtet“, so die WHO. Am 15. und 16. Mai gab es zudem zwei bestätigte Ebola-Fälle im benachbarten Uganda. Beide Personen erkrankten unabhängig voneinander und hatten sich zuvor in der Demokratischen Republik Kongo aufgehalten. Es bestehe ein signifikantes lokales und regionales Risiko für eine weitere, auch länderübergreifende Ausbreitung, warnt die Weltgesundheitsorganisation.
Die WHO hat den Ebola-Ausbruch im Kongo am 17. Mai offiziell zur gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt. Diese Einstufung ist die zweithöchste, eine Stufe unter einer globalen Pandemie.
Wie groß ist die Gefahr einer Ausbreitung?
Brisant ist die Lage deshalb, weil der Ausbruch nicht in einem entlegenen, isolierten Dorf stattfindet, sondern in einem durch starken, auch grenzüberschreitenden Austausch gekennzeichneten Gebiet. Durch intensiven Bergbau und Handel ist dieser Teil der Provinz Ituri eng mit dem Südsudan und Uganda verbunden. Die betroffenen Städte Bunia und Rwampara sind zudem urbane Zentren mit hoher Mobilität der Bevölkerung, wie die Centers for Disease Control (CDC) in Atlanta erklären.
Erschwerend kommt hinzu, dass es in diesem Dreiländereck schon seit Jahren bewaffnete Konflikte gibt. Allein in Ituri leben laut WHO mehr als 270.000 Flüchtlinge, mehr als 1,9 Millionen Menschen gelten als akut in Not und hilfsbedürftig. Die anhaltenden Konflikte erschweren es den Teams zur Seuchenüberwachung und dem medizinischem Hilfspersonal, zu den Patienten zu gelangen. Auch die Nachverfolgung von Infektionsketten sei wegen dieser Bedingungen und der hohen Mobilität der Bevölkerung teilweise kaum machbar, was die Eindämmung des Ebola-Ausbruchs weiter erschwert.
Gefährdet sind laut WHO zurzeit vor allem der Rest des Kongo sowie die unmittelbaren Nachbarländer. Andere Länder stuft die Weltgesundheitsorganisation vorerst als noch nicht akut gefährdet ein.

Welches Virus ist verantwortlich?
Die Ebola-Krankheit kann von mehreren verwandten Viren aus der Gruppe der Orthoebolaviren verursacht werden. Als potenzielle Auslöser größerer Ausbrüche gelten vor allem drei Virenarten: das Zaire-Ebolavirus (Orthoebolavirus zairense), das Sudan-Ebolavirus (Orthoebolavirus sudanense) und das für den aktuellen Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Ebolavirus (Orthoebolavirus bundibugyoense). Dieses Virus wurde 2008 zuerst in Uganda nachgewiesen und unterscheidet sich genetisch deutlich von den anderen beiden Varianten.
Das Bundibugyo-Ebolavirus verursacht ähnliche Symptome wie die anderen Ebolaviren: Nach einer Inkubationszeit von zwei bis 21 Tagen entwickeln infizierte Personen zunächst Fieber, Erschöpfung, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Halsschmerzen. „Diese frühen Symptome sind eher unspezifisch und komplizieren dadurch die Diagnose, was die Erkennung verzögern kann“, erklärt die WHO. Später kommen Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Verwirrtheitszustände sowie Störungen der Organfunktionen hinzu. Erst Spätstadium des hämorrhagischen Fiebers treten innere und äußere Blutungen auf, durch die Blut aus Nase, Schleimhäuten und Körperöffnungen austreten kann.
Eine Erkrankung mit dem Bundibugyo-Ebolavirus endet in 30 bis 50 Prozent der Fälle tödlich. Anders als beim Zaire-Ebolavirus gibt es gegen das Bundibugyo-Ebolavirus keine Impfung und kein direktes Gegenmittel. Erkrankte werden vor allem symptomatisch behandelt.
Wie ansteckend ist das Ebolavirus?
Ebolaviren gelten als sehr infektiös, aber nicht stark übertragbar. Das klingt wie ein Widerspruch, beschreibt aber zwei verschiedene Prozesse: Um einen Menschen zu infizieren und das Ebola-Fieber auszulösen, reichen schon wenige Viren aus. Deshalb gelten Ebolaviren als hoch infektiös. Um jedoch auf einen anderen Menschen übertragen zu werden, muss dieser in direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel kommen. Auch Gegenstände oder Kleidung, die mit Körperflüssigkeiten eines Erkrankten kontaminiert sind, können zur Ansteckung führen.
Eine Übertragung des Ebolavirus durch die Luft oder über Tröpfcheninfektion wie bei Erkältungsviren oder dem Coronavirus ist nicht möglich. Zudem sind infizierte Menschen erst dann ansteckend, wenn das Ebola-Fieber bei ihnen ausgebrochen ist. Solange sie noch in der Inkubationszeit sind und keine Symptome zeigen, sind betroffene Personen nicht ansteckend. Deshalb gilt das Ebolavirus als nur mäßig übertragbar.
Welche Maßnahmen werden getroffen?
„Nichtpharmazeutische Maßnahmen sind für die Ebola-Bekämpfung entscheidend“, erklärt die Infektiologin Anne Cori vom University College London. „Dazu gehören die Identifizierung von Patienten und deren Isolation, die Nachverfolgung von Kontakten und sichere Begräbnisse.“ Letzteres ist ein besonders wichtiger Punkt, weil an Ebola Gestorbene noch über ihren Tod hinaus besonders ansteckend sind. Gleichzeitig werden Tote vor allem in Afrika von Angehörigen gewaschen und angekleidet, wodurch diese in direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten kommen.
Um die weitere Ausbreitung von Ebola zu verhindern, sollen nun Kontrollen an Überlandstraßen innerhalb der Demokratischen Republik Kongo sowie an Flughäfen des Landes eingeführt werden, um Menschen mit Fieber und damit potenzielle Ebola-Patienten zu identifizieren. WHO und CDC sowie afrikanische Gesundheitsorganisationen bereiten sich darauf vor, Teams in die betroffene Region zu entsenden.
Quelle: World Health Organization (WHO), Centers for Disease Control (CDC)





