Man wollte sicherstellen, dass sich die physikalischen Kräfte der Natur mathematisch so elegant und korrekt erfassen ließen, wie Newton sie beschrieben hatte. Als sein Quadrat immer wieder bestätigt werden konnte, freuten sich die Physiker, weil sie meinten, die Gravitation wahrlich verstanden zu haben. Doch ganz zufrieden konnten die Experten der Anziehungskraft nicht sein, denn als sie in den Hunderten von Jahren nach Newton versuchten, mit seiner attraktiven Schwerkraft das Universum als Ganzes zu erfassen, sah es so aus, als ob alles instabil würde. Schon im 19. Jahrhundert hat man deshalb den Newtonschen Gesetzen eine abstoßende Kraftwirkung entgegengestellt, die heute als Dunkle Energie firmiert und so heißt, weil die Astrophysiker zuvor Hinweise gefunden hatten, dass es neben der gewöhnlichen Materie noch eine unsichtbare Dunkle Materie geben musste, um die beobachtbaren Bewegungen von Galaxien im Kosmos erklären zu können. Doch so schön diese Idee mit der Dunklen Materie ist, der Physikgemeinde bereitet sie ziemliche Kopfschmerzen, und man hofft, dass ein Vorschlag aus jüngster Zeit hier Abhilfe verschaffen kann.
Dies führt zu der eingangs erwähnten Messung in Washington zurück. Mit ihr wurde geprüft, ob Newtons Gesetz des inversen Quadrats, das sich in alltäglichen und sogar kosmischen Entfernungen bewährt hat, auch dann noch gilt, wenn man es an Massen überprüft, die nur noch einen Mikrometer voneinander entfernt sind. Angeregt wurden diese Messungen von kosmischen Theorien, die in der Wirklichkeit mehr als die drei räumlichen neben der einen zeitlichen Dimension vermuten und mit diesen weiteren Weltöffnungen das ganze Universum erfassen wollen. Das Problem liegt darin, dass die dazu benötigten Dimensionen winzig sind und im Dunklen bleiben, wenn man nicht nach ihnen sucht. Doch man weiß jetzt, wie sie sichtbar zu machen sind. Man muss prüfen, ob Newtons Gesetz des inversen Quadrats kubisch wird, ob also die Kraft umgekehrt proportional zur dritten Potenz der Entfernung abnimmt – wenn diese so klein wie ein Mikrometer wird.
Das Experiment in Washington hat sich schon bis auf 50 Mikrometer herangearbeitet, und da gilt noch das Quadrat. Aber man kommt dem Ziel näher. Wenn sich bei einem Mikrometer die dritte Potenz zeigt, kann man von innen heraus das ganze Universum erklären. Nicht zu glauben.





