Eine Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus HIV gilt bislang als nahezu unheilbar. Antiretrovirale Medikamente können zwar die Vermehrung des Virus so weit ausbremsen, dass Patienten mit gut eingestellter Therapie nahezu keine Viruslast im Blut aufweisen und keine Aids-Symptome entwickeln. Doch da das Virus sein eigenes Erbgut in die DNA unserer Immunzellen einbaut, hat es ein dauerhaftes Reservoir im Körper. Bei Absetzen der Therapie kann es sich daher wieder vermehren und unbehandelt dann zum vollen Krankheitsbild der tödlichen Immunschwäche Aids führen.
Stammzellspende mit Genmutation
Zum dritten Mal weltweit berichten Forscher nun darüber, einen HIV-Patienten erfolgreich geheilt zu haben. Bei dem heute 53 Jahre alten Mann wurde im Jahr 2008 eine HIV-Infektion festgestellt. Drei Jahre später erhielt er zudem die Diagnose Akute Myeloische Leukämie – eine lebensbedrohliche Form von Blutkrebs. Wenn eine Chemotherapie nicht hilft, besteht die letzte Hoffnung für Betroffene in einer Stammzelltransplantation. Dabei wird das eigene, erkrankte Knochenmark des Patienten durch eine starke Chemotherapie und Bestrahlung zerstört, bevor er aufgereinigte Blutstammzellen eines passenden Spenders bekommt.
Auch der Düsseldorfer Patient benötigte eine solche Stammzelltransplantation, wie das betreuende Forschungsteam um Björn-Erik Jensen von der Universitätsklinik Düsseldorf berichtet. „Ziel der Transplantation war von Beginn an, sowohl die Leukämie als auch das HI-Virus in den Griff zu bekommen“, sagt Jensens Kollege Guido Kobbe, der die Transplantation durchgeführt hat. Und tatsächlich fand sich eine passende Stammzellspenderin mit einer genetischen Besonderheit: Sie trägt eine Mutation im CCR5-Gen, die dafür sorgt, dass die Andockstelle für HIV auf den Immunzellen fehlt. Träger dieser sogenannten CCR5 delta32-Mutation sind daher weitgehend immun gegen HIV.
Transplantation heilt HIV
Der Versuch, einen HIV-positiven Leukämie-Patienten durch eine solche Stammzelltransplantation von beiden Krankheiten zugleich zu heilen, gelang erstmals 2007. 2009 wurden die Ergebnisse veröffentlicht und der Patient ging als „Berliner Patient“ in die Medizingeschichte ein. 2016 gelang die Heilung von HIV und Leukämie bei einem weiteren Patienten, dem „Londoner Patient“. Beide Männer blieben nach der Transplantation auch nach Absetzen der HIV-Medikamente HIV-negativ.
Im Falle des heute 53-Jährigen, der nun als „Düsseldorf-Patient“ bezeichnet wird, wollten die behandelnden Ärzte auf Nummer sicher gehen. Auch nach erfolgreicher Transplantation nahm er seine HIV-Medikamente fast sechs Jahre lang weiter. Erst 2018 setzte er die Therapie in Absprache mit dem Ärzteteam ab. Die Forscher überwachten dabei engmaschig seine Blutwerte und beobachteten, ob sich das HI-Virus wieder vermehrt. In einzelnen Proben entdeckten sie Spuren des HIV-Erbguts, doch Beobachtungen über vier Jahre hinweg zeigten, dass sich das Virus nicht mehr vermehrte und es auch keine immunologischen Hinweise auf fortbestehende HI-Viren gab. „Das sind starke Hinweise darauf, dass HIV tatsächlich geheilt wurde“, schreiben die Forscher.





