Hinzu kommt, dass der Rote Planet deutlich weiter außen um die Sonne kreist als die Erde. Damit seine Oberfläche trotzdem warm wurde, musste eine dichte Atmosphäre für den nötigen Treibhauseffekt sorgen. Bisherige Modelle gingen daher davon aus, dass die Marsatmosphäre vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren einen Druck von mindestens 5 Bar besaß. Erst der Verlust dieser dichten Gashülle ließ dann das Klima kälter werden und beendete die milde Frühzeit unseres Nachbarplaneten. Doch Edwin Kite vom California Institute of Technology in Pasadena und seine Kollegen präsentieren nun Daten, die dieses Szenario widerlegen. Ihr wichtigstes Hilfsmittel sind dabei nicht Messungen der Marsatmosphäre, sondern – Krater. Denn deren Größenverteilung verrät, welche Meteoriten durch die Gashülle abgefangen wurden und welche ungehindert hindurch gelangten. Je dichter eine Atmosphäre ist, desto schwerer und größer muss ein Brocken sein, um nicht durch die Reibungshitze zu verglühen.
Kleine Krater – dünne Gashülle
Für ihre Studie werteten die Forscher Daten der seit 2006 im Marsorbit kreisenden Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) der NASA aus. Mit Hilfe von hochaufgelösten Aufnahmen des Untergrunds und digitalen Geländemodellen vermaßen sie die Größe von Einschlagskratern in der Aeolis Dorsa Region des Mars, einer Ebene, in der zahlreiche Krater aus der Frühzeit des Mars zwischen Ablagerungen alter Flussbetten liegen. An vielen Stellen sind die Krater dabei teilweise von den Sedimenten überdeckt. “Sie spiegeln daher den atmosphärischen Zustand in einer Zeit wieder, als der Mars erheblich feuchter war als jetzt, wahrscheinlich eine Zeit vor rund 3,6 Milliarden Jahren “, erklären Kite und seine Kollegen.
Das Ergebnis: Die kleinsten Krater in Aeolis Dorsa waren gerade einmal 20 bis 50 Meter groß, sie müssen daher von entsprechend kleinen Meteoriten verursacht worden sein. “Unsere Ergebnisse schließen eine dicke, stabile Atmosphäre aus”, konstatieren die Forscher. Ihren Berechnungen nach kann die Gashülle des Roten Planeten auch vor 3,6 Milliarden Jahren nicht viel dichter als 0,9 bis maximal 1,9 Bar gewesen sein. Das aber reicht nach gängigen Modellen nicht aus, um die Temperaturen über den Gefrierpunkt zu heben und flüssiges Wasser zuzulassen. “Ein warmes, feuchtes Treibhaus-Szenario ist damit ausgeschlossen, die langfristigen Durchschnittstemperaturen lagen höchstwahrscheinlich unter dem Gefrierpunkt”, so Kite und seine Kollegen.





