David Wetzel erklärt sein Buch zum Versuch, die individuellen Akteure, die Fürsten und Politiker, auf die Bühne der Geschichte zurückzurufen. Die Irrungen und Wirrungen der Geheimdiplomatie und der Parlamentspolitik zwischen spanischer Kandidatur und Kriegserklärung werden bis ins Detail zitatenreich nachgezeichnet. Dennoch bleibt am Ende der Eindruck, daß die Akteure auf beiden Seiten weniger Politikgestalter als Getriebene waren, ausgeliefert den Folgen ihrer eigenen übertriebenen Rhetorik.
Es ist schwer zu sagen, für welchen Leserkreis die vorliegende Übersetzung aus dem Englischen gedacht ist. Ein Publikum, das es mit den äußerst zahlreichen und oft absätze?langen Quellenzitaten auf englisch, französisch und italienisch aufzunehmen bereit ist, wird das Buch doch eher gleich im Original lesen. Für alle anderen wäre deren Übersetzung, wenigstens in Fußnoten, hilfreich gewesen. Daß Wetzel seine Arbeit damit rechtfertigt, es gebe zwar hervorragende deutsche Forschungen, denen er nichts hinzuzufügen habe, aber keine neueren englischen Darstellungen, wirkt in der Übersetzung unfreiwillig komisch.
Rezension: Walter, Dierk




