Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert
Die dünne Haut der Erde muss alle menschlichen Zivilisationen tragen und ernähren. Und doch bezeichnen wir sie oft abschätzig als Dreck. In seinem gleichnamigen Buch beleuchtet der US-Geologe David R. Montgomery die zivilisatorische Bedeutung des fruchtbaren Erdbodens. Er lädt den Leser ein zu einer spannenden, wissenschaftlich fundierten Reise durch die Kulturgeschichte der Bodennutzung vom Zweistromland bis zur Gegenwart.
Dabei wird deutlich: Die Bodenerosion hat seit jeher tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft. So war die ägyptische Landwirtschaft über Jahrtausende bemerkenswert produktiv bis die Ackerbauern neue Methoden einsetzten, die nicht im Einklang mit dem natürlichen Rhythmus des Nils standen. Und die Besiedlung Islands durch die Wikinger leitete eine Phase katastrophaler Erosion ein, die bis heute an der Nordmeerinsel nagt. Nicht zuletzt basiert unser heutiges globalisiertes Agrarsystem vielerorts auf der Plantagenwirtschaft europäischer Kolonialisten, die nicht gerade als Pioniere der Nachhaltigkeit in die Welt zogen.
Jährlich gehen Montgomery zufolge 24 Milliarden Tonnen Erdboden verloren. Die Erosion erfolgt mit der 10- bis 20-fachen Geschwindigkeit der Neubodenbildung. In Zukunft werden Klimawandel und steigender Nahrungsbedarf unsere Böden weiter massiv beeinträchtigen. Doch Montgomery beschreibt nicht nur die Probleme er nennt auch Lösungen. Ein engagiert geschriebenes Buch, das uns hilft, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Gunnar Henze





