Das Schaf Dolly, das erste geklonte Säugetier, trägt auch Gene seiner Leihmutter. Sie befinden sich in den Mitochondrien, die eigene DNA unabhängig vom Zellkern besitzen. Obwohl diese Energiekraftwerke der Zelle nur 37 Gene haben, kann der Unterschied beträchtlich sein: Dolly ist kein perfekter Klon.
Dollys Klonung erfolgte, indem eine Zelle aus dem Euter des Mutterschafs mit einer zuvor entkernten Eizelle der Leihmutter verschmolzen wurde. Diese Eizelle mit den fremden Genen hat die Leihmutter dann ausgetragen. Nun wiesen Eric Schon von der Columbia University in New York, Ian Wismut vom Roslin-Institut in Schottland, der Dolly klonte, und ihre Mitarbeiter nach, daß über 99 Prozent von Dollys Mitochondrien-DNA nicht von dem Mutterschaf, sondern von Dollys Leihmutter stammen, also aus der entkernten Eizelle, nicht aus der Euterzelle. Bislang waren die Forscher von einer Mischung der Mitochondrien des Mutterschafs und der Leihmutter ausgegangen. Doch sie konnten in Dollys Blut, Muskeln, Milch und Plazenta keine Mutterschaf-Mitochondrien finden.
Das Ergebnis hat Konsequenzen für zwischenartliche Klonierungsexperimente. Erwogen wird eine Klonierung menschlicher DNA mit Hilfe von Eizellen einer Kuh, um embryonale Stammzellen zu Forschungszwecken zu gewinnen. Ihre Verwendung wäre jedoch eingeschränkt, wenn sie ausschließlich Kuh-Mitochondrien besitzen würden.
Rüdiger Vaas





