Angeblicher “Lebens-Marker” bei Sternen und dem Komet Chury
Wie ein internationales Forscherteam berichtet, hat der scharfe Blick von ALMA Spuren von Freon-40 rund um das junge Sternsystem IRAS 16293-2422 entdeckt. Es handelt sich um ein binäres System samt Materie-Wolke, das etwa 400 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. “Freon-40 in der Nähe dieser jungen, sonnenähnlichen Sterne zu finden, war überraschend”, sagt Edith Fayolle vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge. “Wir haben einfach nicht damit gerechnet, dass es sich dort schon gebildet hat und waren insbesondere auch überrascht, dass es in solch hohen Konzentrationen vorkommt. Damit ist jetzt klar, dass sich diese Moleküle leicht in solchen Sternkinderstuben bilden. Damit geben sie umgekehrt aber auch Einblicke in die chemische Evolution von Planetensystemen, einschließlich unseres Sonnensystems”, so die Astronomin.
Die zweite Bestätigung, dass Freon-40 nicht unbedingt an Leben geknüpft ist, stammt von
der Rosetta-Mission der ESA: Das ROSINA-Instrument hat die Substanz auch bei dem berühmten Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko gefunden. Dies legt nahe, dass Organohalogene neben Prozessen bei der Planetenbildung auch durch Kometeneinschläge auf Planeten in jungen Systemen landen können.
Ein Marker für das Potenzial für die Entstehung von Leben?
Die Entdeckung von Freon-40 ohne biologischen Hintergrund wirkt zwar zunächst wie eine Enttäuschung, doch den Forschern zufolge schließt sich doch wieder ein möglicher Kreis zum Leben: “ALMAs Entdeckung von Organohalogenen im interstellaren Medium sagt uns auch etwas über die Ausgangsbedingungen der organischen Chemie auf Planeten aus. Diese Chemie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu den Ursprüngen des Lebens”, sagt Co-Autorin Karin Öberg vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge. “Organohalogene sind wahrscheinlich Bestandteil der sogenannten Ursuppe, sowohl auf der jungen Erde als auch auf im Entstehen begriffenen, fernen Gesteinsplaneten.”
Dies hebt somit eine alternative Bedeutung dieser Substanzen hervor: Anstatt auf das Vorhandensein von schon existierendem Leben hinzuweisen, könnten Organohalogene ein wichtiges Element in der wenig verstandenen Chemie sein, die am Ursprung des Lebens beteiligt ist. “Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir noch viel über die Organohalogenbildung zu lernen haben”, sagt Fayolle abschließend. “Weitere Untersuchungen über Organohalogen in der Nähe anderer Protosterne und Kometen sollten nun folgen, um die Antwort zu finden”, so die Astronomin.





