In Jurassic Park sah alles so einfach aus. Um einen prähistorischen Prater aufzubauen, holten sich Forscher DNA aus Dinosaurierblut, das vor Millionen Jahren von Mücken gesaugt wurde, die danach in Baumharz bruchgelandet waren. Schwierig wurde es in dem Film erst, als die Dinos ausbrachen und begannen, alle Menschen aufzufressen. In Wahrheit wäre der Kampf gegen die Giganten bei dem Projekt jedoch das kleinste Problem. Die Dinosaurier wieder aufleben zu lassen, wäre wissenschaftlich ein derartiger Kraftakt, dass der Zweikampf mit einem T-Rex im Vergleich dazu Wellness wäre. Eine der größten Hürden dabei wäre die Erbinformation. Die hat nämlich ein Ablaufdatum − und Dinosaurier sind nicht erst gestern ausgestorben.
Viele denken, die Uhrzeittiere hätten zu einem bestimmten Zeitpunkt alle gemeinsam existiert. Dann fiel ihnen ein Meteorit auf den Kopf, lange Zeit kam nichts und plötzlich waren wir da. Tatsächlich lebten Dinosaurier aber über einen sehr langen Zeitraum verteilt, und viele von ihnen haben sich nie zu Gesicht bekommen. Der Tyrannosaurus zum Beispiel lebte um fast 80 Millionen Jahre näher zur Erfindung des Internet als zum Stegosaurus. Wir sprechen also von gewaltigen Zeitspannen. Selbst wenn man sich mit den letzten der verstorbenen Dinosaurier zufriedengibt, müsste die Erbinformation noch immer etwa 65 Millionen Jahre konserviert geblieben sein.
Ob das möglich ist, wurde 2012 in einer Studie untersucht, die sich mit der DNA aus Neuseeländischen Moa-Knochen beschäftigte. Moas waren flugunfähige Laufvögel, die den heutigen Emus ähnlich sahen, aber bereits Ende des 14. Jahrhunderts ausgestorben sind. Die Forscher wollten anhand von 158 ausgegrabenen Moa-Beinknochen die Halbwertszeit antiker DNA berechnen.
Stirbt eine Zelle, beginnen Enzyme damit, die DNA in kleine Stücke zu schneiden. Danach fallen Mikroorganismen über das tote Tier her und versuchen alles aufzufressen, was sich an biologischem Material finden lässt. Das beginnt rasch nach dem Ableben. Was von der DNA übrig bleibt, wird durch spontanen chemischen Zerfall vernichtet, der von dem Sauerstoffgehalt, dem PH-Wert, der Feuchtigkeit und anderen Umgebungsfaktoren abhängt.
Die Forscher untersuchten bis zu 8000 Jahre alte Knochen und fanden, dass die mittlere DNA-Halbwertszeit bloß 521 Jahre beträgt. Nach dieser Zeit ist die Hälfte der Verbindungen zwischen den einzelnen DNA-Buchstaben verloren gegangen, nach weiteren 521 Jahren verabschiedet sich die Hälfte der übriggebliebenen DNA- Bindungen und so weiter. Sinnvoll verwertbar sind DNA-Abschnitte nur, wenn die einzelnen Fragmente noch mindestens 200 DNA-Buchstaben lang sind. Die Forscher berechneten, dass sogar bei Knochenfunden, die bei minus fünf Grad Celsius erhalten wurden, die DNA nach spätestens 6,8 Millionen Jahren vollständig zerfallen sein müsste. Für die Dinos, deren Knochen mindestens 65 Millionen Jahre alt sind, bedeutet das nichts Gutes. Forscher gehen deshalb seit Längerem davon aus, dass sich die DNA des T-Rex und seiner Kollegen heutzutage nirgendwo mehr ausgraben lässt.





